Kein erhöhtes Rezidivrisiko bei Zustand nach Guillain-Barré-Syndrom (GBS) für mRNA-Impfung

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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eines großen israelischen Gesundheitsdienstes haben Daten von 702 Patientinnen und Patienten mit Zustand nach Guillain-Barré-Syndrom (GBS) hinsichtlich möglicher Krankheitsschübe nach COVID-19-Impfung mit BNT162b2 ausgewertet [1]. Da nur eine einzige Person wegen eines möglichen Rezidivs nach Impfung kurzfristig stationär behandelt werden musste, schätzen sie das Risiko durch den mRNA-Impfstoff als gering ein.

Das israelische Gesundheitsministerium wertet in der nationalen Impfleitlinie des Landes ein GBS nicht als Kontraindikation gegen eine COVID-19-Impfung. Die aktuelle Auswertung der Datensammlung der Maccabi Health Care Services, dem ein Viertel der israelischen Bevölkerung angehören, untermauert dies [1].

Unter den Versicherten wurden im Zeitraum 2000 bis 2020 insgesamt 702 Menschen wegen eines GBS in einer neurologischen Krankenhausabteilung behandelt. 48% waren Frauen, das mittlere Alter betrug 53 Jahre. Von diesen erhielten 579 eine, 539 zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs BNT162b2 (BioNTech/Pfizer). Von den 40 Menschen, die nur eine Impfdosis erhielten, hatten 38 sich zuvor mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert.

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 108 Tagen nach der ersten und 90 Tagen nach der zweiten Impfung stellten sich 48 der GBS-Patientinnen und -Patienten in einem Krankenhaus vor. 24 suchten wegen nicht-neurologischer Beschwerden eine Notaufnahme auf und wurden binnen 24 Stunden wieder entlassen. Nur fünf wurden wegen neurologischer Symptome zugewiesen. Zwei hatten Parästhesien, ein Patient einen Tremor seit mehreren Monaten und ein weiterer einen Krampfanfall. Diese vier konnten nach wenigen Stunden ohne weitere ärztliche Beobachtung wieder entlassen werden.

Eine Patientin mit Zustand nach GBS ohne Residualsymptome nach vorheriger Plasmapherese-Therapie entwickelte kurz nach der ersten Impfung eine leichte Beinschwäche mit Parästhesien über mehrere Wochen. Einige Tage nach der zweiten Impfung wurde sie mit Zeichen einer sensomotorischen demyelinisierenden Polyneuropathie aufgenommen. Nach Plasmapherese konnte sie im Verlauf entlassen werden – die Beinschwäche hatte sich signifikant gebessert mit nur mehr minimaler proximaler Schwäche und ohne verbleibende Sensibilitätsstörung.

[1] Shapiro Ben David S, Potasman I, Rahamim-Cohen D: Rate of Recurrent Guillain-Barré Syndrome After mRNA COVID-19 Vaccine BNT162b2. JAMA Neurol. 2021 Nov 1;78(11):1409-1411

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2783708

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