Kardiopulmonale Reanimation bei COVID-19

Unsystematische Daten zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) bei erwachsenen, kritisch kranken COVID-19-Patienten zeigten immer wieder ein extrem schlechtes Outcome, was Diskussionen ausgelöst hat, wann bzw. bei welchen dieser Patienten eine CPR effektiv sein kann. Insgesamt ist die Datenlage zu Inzidenzen, Risikofaktoren und Überleben dieser Patienten schlecht, aktuell erschienen zwei Publikationen von Studien an relativ großen COVID-19-Populationen mit insgesamt über 6.300 Patienten.

Die erste Studie [1] umfasst 1.309 COVID-19-Patienten einer Klinik in Michigan. Vor der COVID-19-Pandemie hatte man dort eine Entlassungsrate nach IHACA („in-hospital cardiac arrest“) von 25%; der Herzrhythmus unmittelbar vor der CPR war in 81% nicht kardiovertierbar. Primäres Studienziel waren nun ebenfalls der initiale Herzrhythmus, die Zeit bis zur Rückkehr der spontanen Zirkulation (ROSC) und das Überleben (Entlassung). Ausgeschlossen wurden Patienten mit Palliativ-, Hospiz- oder „No-CPR“-Status. Von 1.309 Patienten wurden 60 (4,6%) mit IHCA und durchgeführter CPR identifiziert (IHCA im Median nach acht Tagen, IQR 4-12); 54 Patienten wurden ausgewertet, sechs wegen unzureichender Dokumentation ausgeschlossen. Der initiale Rhythmus war in ca. 96% nicht defibrillierbar (15% Asystolie, 81% elektromechanische Entkoppelung). Nur bei 29/54 Patienten (knapp 54%) war die CPR zunächst erfolgreich, die ROSC-Zeit lag im Median bei acht Minuten (IQR 4-10 min). Bei 15 dieser 29 Patienten wurde der Status später in „No-CPR“ geändert, wohingegen 14/29 ein weiteres Mal kardiopulmonal reanimiert wurden – letztendlich verstarben alle COVID-19-Patienten mit Herzstillstand.

Eine multizentrische Kohortenstudie aus 68 Kliniken in ganz USA [2] schloss 5.019 COVID-19-Patienten ein. Von diesen hatten 14% (701/5.019) in den ersten 14 Tagen nach Aufnahme einen Herzstillstand; 400/701 (57%) erhielten eine CPR, die anderen hatten einen „No-CPR“-Status. Gegenüber Patienten ohne Herzstillstand waren die Patienten älter (63 ± 14 versus 60 ± 15 Jahre) und hatten mehr Komorbiditäten. Der initiale Herzrhythmus zum Zeitpunkt der Reanimation war in 75% nicht kardiovertierbar: Ca. 50% der Patienten (199/400) hatten eine elektromechanische Entkoppelung und 25% eine Asystolie (95/400). Nur 48 der 400 reanimierten Patienten (12%) überlebten und konnten entlassen werden (28/48 ohne bzw. mit nur leichten neurologischen Schäden). Von den reanimierten Patienten unter 45 Jahren hatten 21% überlebt; von den über 79-Jährigen nur 3%. Da der initiale Herzrhythmus bei den meisten Patienten nicht kardiovertierbar war, gehen die Autoren davon aus, dass der Herzstillstand fast nie direkt kardial bedingt war, kardiale Komorbiditäten also eine untergeordnete Rolle spielten (so bestand auch keine Assoziation zu Koronarerkrankungen und Herzinsuffizienz), vielmehr war die Schwere der „critical illness“ von Bedeutung.

Die Autoren beider Studien sprechen sich für die Notwendigkeit weiterer Studien zur CPR bei COVID-19 aus. Dies sei bei der oft schlechten Prognose wesentlich für eine Entscheidungsfindung klinisch sowie im Angehörigengespräch. Außerdem bedürfe es Strategien, wie in Zukunft der Ablauf der CPR bei COVID-19 optimiert werden kann - dies schließe insbesondere auch den Schutz des Personals ein, denn die CPR führe zu ausgeprägter Aerosolbildung und hohe Ansteckungsraten wurden weltweit beschrieben.

[1] Thapa SB, Kakar TS, Mayer C et al. Clinical Outcomes of In-Hospital Cardiac Arrest in COVID-19. Research Letter JAMA 2020; Intern Med; Published online September 28. doi:10.1001/jamainternmed.2020.4796

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2771090

[2] Hayek SS, Brenner SK, Azam TU et al. STOP-COVID Investigators. In-hospital cardiac arrest in critically ill patients with covid-19: multicenter cohort study. BMJ 2020 Sep 30; 371: m3513. doi: 10.1136/bmj.m3513.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32998872/