Kann eine Vitamin-D-Supplementierung die COVID-19-Inzidenz senken?

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Eine Vitamin-D-Supplementierung kann, besonders bei Vitamin-D-Mangel, die Inzidenz viraler Atemwegsinfekte senken. Eine Studie untersuchte nun retrospektiv die Assoziation von Vitamin-D-Status und COVID-19. Am Universitätsklinikum von Chicago wurden Daten einer Kohorte von COVID-19-Patienten analysiert, von denen aus dem Vorjahr der Vitamin-D-Status (25- oder 1,25-Vitamin-D-Spiegel) verfügbar war.

Ein Vitamin-D-Mangel war definiert als 25-OHD <20 ng/ml oder 1,25-(OH)2D <18 pg/ml. Nach der Höhe des Spiegels sowie der oralen Therapie eines eventuellen Vitamin-D-Mangels (Vitamin-D-Typ und Dosis sowie Änderungen diese Supplementierung) wurden die Patienten gruppiert in „vermuteter Mangel“ (letzter Messwert erniedrigt und Dosis nicht erhöht), „wahrscheinlich ausreichend/normal“ (letzter Messwert normal und Dosis nicht verringert) sowie „möglicher Mangel bzw. unsicher“ (letzter Messwert erniedrigt und Dosis erhöht bzw. letzter Messwert normal und Dosis verringert). Studienendpunkt (Outcome) war eine positive SARS-CoV-2-PCR. Insgesamt gab es von 489 Patienten der Klinik Vitamin-D-Messwerte aus dem Jahr vor der Pandemie (mittleres Alter 49 Jahre, 75% Frauen, 32% Weiße).

Der Vitamin-D-Status war gemäß der Eingruppierung bei 124 (25%) wahrscheinlich unzureichend, bei 287 (59%) wahrscheinlich ausreichend und bei 78 (16%) unsicher. Von den 489 Teilnehmern waren dann im März/April 71 SARS-CoV-2-positiv getestet worden. Es bestand eine signifikante Assoziation zwischen positiver PCR und steigendem Alter bis 50 Jahre (RR 1,06; p=0,02), nicht-weißer Hautfarbe (RR 2,54; p=0,009) und einem „vermutlich unzureichendem“ Vitamin-D-Spiegel (RR 1,77 gegenüber „wahrscheinlich normalem“ Spiegel, p=0,02). Die COVID-19-Vorhersagerate lag bei vermutetem Vitamin-D-Mangel bei 21,6% gegenüber 12,2% bei normalem Vitamin-D-Status.

Die Autoren schlussfolgern, dass nun prospektive, randomisierte Interventionsstudien notwendig seien, um zu prüfen, ob mit einer Vitamin-D-Supplementierung die COVID-19-Inzidenz gesenkt werden kann (sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei Risikogruppen).

Meltzer DO, Best TJ, Zhang H et al. Association of Vitamin D Status and Other Clinical Characteristics With COVID-19 Test Results. JAMA Network Open 2020; 3 (9): e2019722 doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.19722

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2770157