Jeder dritte kritisch COVID-19-Erkrankte zeigt eine gestörte Herzfunktion

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Bei schwer Erkrankten mit COVID-19 versagt oft der Kreislauf. In einer retrospektiven Studie [1] hatten 34,5% von 677 COVID-19-Betroffenen, die auf eine Intensivstation aufgenommen werden mussten, in der Critical-Care-Echokardiographie (CCE) kardiale Funktionsstörungen. Je rund 23% hatten eine links- beziehungsweise rechtsventrikuläre systolische Dysfunktion. Etwa 17% von 517 mit entsprechender CCE-Information hatten ein akutes Cor pulmonale. Dies machte es, ebenso wie ein höheres Alter, wahrscheinlicher, dass die Betroffenen im Krankenhaus starben.

Eine internationale Arbeitsgruppe hat retrospektiv CCE- und klinische Daten von fast 700 COVID-19-Patientinnen und -Patienten ausgewertet, die in der Zeit vom 1.2.2020 bis 30.6.2021 auf 14 Intensivstationen von Lehrkrankenhäusern in acht, vornehmlich europäischen Ländern aufgenommen wurden [1]. Sie waren im Median 65 Jahre alt, 71% waren männlich. Ausgewertet wurde die erste Echokardiographie nach Aufnahme auf die Intensivstation (ITS). Sie erfolgte überwiegend früh, im Median bereits nach zwei Tagen. Zum Zeitpunkt der CCE benötigten 41% der Untersuchten Katecholamin-Infusionen.

Dabei wiesen ein Drittel der Patientinnen und Patienten links-, rechts- oder auch biventrikuläre systolische Funktionsstörungen auf. Insgesamt ähnelte die linksventrikuläre (LV)-Dysfunktion der bei septischer Kardiomyopathie, während die rechtsventrikuläre (RV) mit einer Volumenüberlastung zusammenhing. Andersartige signifikante kardiale Veränderungen wurden nicht beobachtet.

Bei RV-Dysfunktion war der rechte Ventrikel häufig dilatiert, rein visuell in 41% und bei Hinzuziehen quantitativer Daten sogar in 50% der Fälle. Die Beurteilung erfolgte durch Ärztinnen und Ärzte mit CCE-Expertise, überwiegend transthorakal. Bei 17% von 517 Patienten und Patientinnen mit Daten zu etwaigen paradoxen Septumbewegungen und Ausmessung der RV-Größe wurde ein akutes Cor pulmonale diagnostiziert. Die Studienergebnisse legen dafür drei Mechanismen nahe: So hatten Überdruck-Beatmete gegenüber spontan Atmenden ein um den Faktor vier, solche mit Lungenembolie ein um den Faktor fünf erhöhtes Cor pulmonale-Risiko. Auch eine Hyperkapnie erhöhte das Risiko. Sauerstoffmangel per se war nicht ausschlaggebend – der Oxygenierungsindex (PaO2/FiO2) spielte keine Rolle. Cor pulmonale und höheres Alter waren mit einer erhöhten Mortalität während des Klinikaufenthalts assoziiert. Sie verdoppelte sich bei Cor pulmonale und stieg mit jedem Lebensjahr um 6%.

Die LV-Dysfunktion war in der Regel global, die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten hatten keine LV-Dilatation. Das deutet auf eine akute Schädigung und macht zugleich ein ursächliches Infarktereignis unwahrscheinlich. Daten hierzu wurden nicht gesammelt.

Eine wesentliche Limitation der Studie ist ein möglicher Selektionsbias: Echographien wurden nur veranlasst, wenn klinisch als notwendig erachtet.

[1] Huang S, Vignon P, Mekontso-Dessap A et al. Echocardiography findings in COVID-19 patients admitted to intensive care units: a multi-national observational study (the ECHO-COVID study). Intensive Care Med. 2022

https://link.springer.com/article/10.1007/s00134-022-06685-2

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