Ischämische Schlaganfälle bei COVID-19-Erkrankten – eine Metaanalyse

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Ein systematisches Review mit Metaanalyse evaluierte Publikationen mit einer Gesamtzahl von 26.691 COVID-19-Erkrankten. Die gepoolte Prävalenz ischämischer Schlaganfälle lag bei 2%. 36% der Betroffenen waren Frauen. Die Mehrheit der Betroffenen wies vaskuläre Risikofaktoren auf, vor allem Hypertonie, Hyperlipidämie und Diabetes mellitus. Der Anteil kryptogener Schlaganfälle betrug 35%, SVD-bedingte („small vessel disease“) ischämische Schlaganfälle machten dagegen nur einen kleinen Teil von 2% aus.

Weltweit wird von immer mehr COVID-19 Patientinnen und Patienten berichtet, die im Rahmen ihrer Erkrankung einen ischämischen Schlaganfall erlitten haben. Ein systematisches Review mit Metaanalyse (gemäß den PRISMA- und MOOSE-Leitlinien) hatte zum Ziel, diese Schlaganfälle genauer zu charakterisieren und Referenzmaterial zu sammeln. Drei große internationale Datenbanken wurden bis März 2021 durchsucht. Von 5.107 Treffern wurden 1.227 Publikationen analysiert, und zehn Artikel mit insgesamt 26.691 COVID-19-Erkrankten (davon 280 mit ischämischem Schlaganfall) wurden ausgewählt und gepoolt.

Die Gesamtprävalenz ischämischer Schlaganfälle bei COVID-19-Erkrankten lag danach bei 2% (p<0,01). Oft lagen Risikofaktoren vor, in erster Linie Hypertonie (66%), Hyperlipidämie (48%) und Diabetes mellitus (40%; alle p<0,01). Mehrheitlich waren Männer betroffen, nur 36% waren Frauen (p<0,01). Häufig fanden sich kryptogene Schlaganfälle (gemäß TOAST-Klassifikation), der Anteil dieses Subtyps lag bei 35% (p<0,01). SVD-bedingte ischämische Schlaganfälle machten nur einen kleinen Teil von 2% aus (gegenüber 20% bei nicht-COVID-19-assoziierten ischämischen Schlaganfällen).

Zusammenfassend wiesen ischämische Schlaganfälle im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung spezielle klinische Merkmale auf. Die höhere Inzidenz bei Männern erklären die Autoren damit, dass Männer stärker von einem COVID-19-assoziierten Inflammations- bzw. Zytokinsturm betroffen sind. Der Anstieg kryptogener Schlaganfälle sei ungeklärt, mache die Schlaganfall-Problematik im Rahmen von COVID-19 jedoch komplizierter.

Das Fazit des Autorenteams lautet, dass bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten bei Hospitalisierung ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht und die Betroffenen womöglich von einer frühzeitigen antiinflammatorischen und antikoagulatorischen Therapie profitieren.

[1] Luo W, Liu X, Bao K et al. Ischemic stroke associated with COVID-19: a systematic review and meta-analysis. J Neurol 2021 Oct 15; 1-10

https://link.springer.com/article/10.1007/s00415-021-10837-7

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