Impfantwort auf mRNA-Vakzine unter Methotrexat-Therapie beeinträchtigt

© iStock/Lars Neumann

Patientinnen und Patienten mit immunvermittelten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die mit Methotrexat behandelt werden, sprechen offenbar unzureichend auf eine Impfung mit der mRNA-Vakzine BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) an. Nur rund 62 % entwickelten in zwei unabhängigen Patientenkohorten eine adäquate Antikörperantwort [1]. Auch eine relevante CD8+-T-Zell-Antwort blieb aus.

In einer Kohorte von 51 Patientinnen und Patienten mit bekannten immunvermittelten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sowie bei 26 gesunden Kontrollen untersuchten Wissenschaftler aus New York die IgG-Antikörperantwort auf das Spike-Protein und zusätzlich die zelluläre Immunantwort mithilfe der Durchflusszytometrie nach SARS-CoV-2-Impfung mit BNT162b2 [1]. Die Daten verglichen sie mit denen einer Validierungskohorte aus Erlangen mit 31 Patienten/Patientinnen und 182 Kontrollen. Blutentnahmen erfolgten jeweils vor Impfung und eine Woche nach Erhalt der zweiten Impfdosis. Dabei wiesen sowohl die insgesamt 208 Gesunden als auch Patienten/Patientinnen mit immunvermittelten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen in über 90% eine robuste Antikörperbildung auf. Bei den 45 Behandelten, die Methotrexat erhielten, war dies nur bei 62% der Fall. Als Cut-off wurde ein Antikörpertiter ≥5.000 Einheiten angesetzt. Die Autoren räumen ein, dass noch nicht ganz klar ist, wie ausgeprägt die Immunantwort tatsächlich sein muss, um sicher zu sein, dass die Impfung wirkt.

Während aktivierte CD4+-T-Zellen und zirkulierende follikuläre T-Helfer-Zellen in allen Gruppen gleichermaßen induziert wurden, war die aktivierte CD8+-T-Zell-Antwort deutlich abgeschwächt. Das galt besonders für CD8+-T-Zellen, die Granzym B exprimieren, was als Hinweis auf eine verminderte zytotoxische Funktion gewertet wurde.

Die gesunden Menschen der Kontrollkohorte und die Patienten/Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die eine andere Therapie erhielten als Methotrexat, waren in beiden Kohorten deutlich jünger als jene, die mit Methotrexat behandelt wurden. Das Durchschnittsalter der Methotrexat-Patienten lag in der New Yorker Kohorte bei 63 Jahren und in Erlangen bei 55 Jahren. Die übrigen Patienten in der New Yorker-Gruppe waren durchschnittlich 49 Jahre alt, in der Erlanger Gruppe waren die Gesunden im Mittel 41 Jahre und die Rheumapatienten 45 Jahre alt. Eine Immunseneszenz könnte also zu einem gewissen Grad zu dem schlechteren Impfansprechen beigetragen haben. Dennoch waren die Unterschiede auch dann noch signifikant, wenn nur Teilnehmer unter 55 Jahren berücksichtigt wurden.

Die Impfstrategie bei Patienten/Patientinnen, die Methotrexat erhalten, müsse folglich angepasst werden, sei es durch zusätzliche Impfdosen, eine Dosisänderung von Methotrexat oder auch ein vorübergehendes Pausieren. Letzteres erfolgt über zwei Wochen bei einer Impfung gegen Influenza, bei der ebenso ein vermindertes Ansprechen unter Methotrexattherapie bekannt ist.

[1] Haberman RH, Herati RS, Simon D et al.: Methotrexate Hampers Immunogenicity to BNT162b2 mRNA COVID-19 Vaccine in Immune-Mediated Inflammatory Disease. Preprint. medRxiv. 2021;2021.05.11.21256917. Published 2021 May 12.

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.05.11.21256917v1

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