Immuntherapie erhöht bei Patienten mit MS das COVID-19-Risiko nicht

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In die aktuelle Auswertung gingen 42.899 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und 33.451 mit anderen neuromuskulären Autoimmunerkrankungen ein. Ihr COVID-19-Risiko war nicht höher als das der Allgemeinbevölkerung, auch das Outcome unterschied sich nicht wesentlich, allerdings hatten die Patientinnen und Patienten mit anderen neuromuskulären Autoimmunerkrankungen als MS ein höheres Hospitalisierungsrisiko. Hier müssen nun kontrollierte Langzeitstudien weiter Aufschluss geben.

Eine Ende November publizierte Studie untersuchte, inwieweit die Immuntherapie das Risiko von Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose oder anderen neuromuskulären Autoimmunerkrankungen für eine SARS-CoV-2-Infektion und schweren COVID-19-Verlauf beeinflusst. Analysiert wurden Patientendaten einer medizinischen Plattform, die derzeit die größte globale COVID-19-Datenbank darstellt („TriNetX“). 42.899 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und 33.451 mit anderen neuromuskulären Autoimmunerkrankungen (aNMD – darunter waren die Diagnosen Myasthenia gravis, autoimmune Myositis sowie Immunneuropathien) wurden identifiziert. Im Ergebnis zeigte sich, dass 115 der MS-Patientinnen und Patienten (=0,27%) und 111 der an aNMD-Patientinnen und Patienten (=0,33%) an COVID-19 erkrankten. Das entsprach in etwa der Durchschnittsrate der US-amerikanischen Allgemeinbevölkerung. Ein Drittel der Betroffenen musste hospitalisiert werden.

Im Ergebnis hatte die Immuntherapie insgesamt keinen Einfluss auf das Infektionsrisiko, allerdings war das Hospitalisierungsrisiko von aNMD-Patientinnen und -Patienten, die mit einer Immuntherapie behandelt wurden, höher (OR: 2,86; p= 0,011). ANMD-Patienten, die zusätzlich zu einer Steroidtherapie weitere Immunsuppressiva erhielten, hatten ein im Vergleich noch höheres Hospitalisierungsrisiko (OR 4,05).

Die Autoren schlussfolgern, dass die Ergebnisse ihrer Analyse die derzeitige Leitlinienempfehlung, die Immuntherapie nicht abzusetzen, im Großen und Ganzen stützen. Allerdings waren einige Immuntherapeutika mit einem größeren COVID-19-Risiko assoziiert als andere und die Autoren unterstreichen die Notwendigkeit, die Auswertungen kontrollierter Langzeitstudien und -Register, wie z.B. das „Neuro COVID-19 Registry“ der „European Academy of Neurology“, abzuwarten.

[1] Kovvuru S, Nalleballe K, Onteddu SR et al. Immunosuppression in chronic autoimmune neurological disorders during the COVID-19 pandemic. Journal of the neurological Sciences. Published:November 27, 2020.

https://www.jns-journal.com/article/S0022-510X(20)30566-9/fulltext