Immungedächtnis gegen SARS-CoV-2 ist bei 95% der Betroffenen fünf bis acht Monate nach COVID-19 noch aktiv

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Vereinzelte Fallberichte über Reinfektionen mit SARS-CoV-2 gaben Anlass zur Sorge, letztlich auch im Hinblick darauf, wie lange ein Impfschutz anhalten könnte. Eine in „Science“ publizierte Arbeit [1] zeigte, dass das Immungedächtnis bei den Betroffenen zwar sehr heterogen war, aber bei 95% der Studienteilnehmer nach fünf bis acht Monaten immerhin noch drei von fünf Komponenten des Immungedächtnisses aktiv waren. Nach Ansicht der Autoren spricht das dafür, dass bei den meisten Patienten ein dauerhafter Schutz vor einer Reinfektion besteht.

Die Arbeitsgruppe analysierte verschiedene Teile des zirkulierenden Immungedächtnis an 254 Proben von 188 COVID-19-Patientinnen und -Patienten. Die Studienteilnehmer repräsentierten die ganze Bandbreite der möglichen COVID-19-Verläufe, 97 waren symptomatisch, die meisten waren allerdings nicht schwer erkrankt, lediglich 7% waren hospitalisiert worden. Analysiert wurden fünf Immunparameter, die entscheidend für die humorale Antwort sind: Zwei SARS-CoV-2-Antikörper (Immunglobulin G gegen die bindende Domäne des Spikeproteins (RBD-IgG) und Immunglobulin A gegen das Spikeprotein (Spike-IgA)) sowie B-Gedächtniszellen, CD4+-T-Zellen und CD8+-T-Zellen.

In den ersten 1-2 Monaten konnten bei der Mehrheit der Patienten (64%) alle fünf Parameter des Immungedächtnisses nachgewiesen werden. Nach 5-8 Monaten war dieser Anteil auf 43% gefallen, allerdings waren bei 95% der Studienteilnehmer noch drei von fünf Komponenten aktiv. Die Patienten wiesen unterschiedliche Muster auf, was die Heterogenität des Immungedächtnisses unterstreicht. Eine Rolle schien womöglich das Geschlecht zu spielen – Männer hatten beispielsweise höhere RBD-IgG-Titer. Auch die Schwere der Erkrankung schien Einfluss zu nehmen: Hospitalisierte Patienten wiesen u.a. mehr B-Gedächtniszellen auf. Die Immunantwort auf SARS-CoV-2 war damit individuell sehr unterschiedlich und die Autoren führen an, dass die Gründe hierfür noch weiter untersucht werden müssen. Grundsätzlich betonen sie aber, dass die Tatsache, dass bei 95% der Patienten mindestens drei von fünf Komponenten des Immungedächtnisses nach 5-8 Monaten noch aktiv waren, darauf deuten, dass bei der Mehrzahl der Betroffenen ein längerfristiger Schutz vor Reinfektion bestehe.

[1] Dan JM, Mateus J, Kato Y et al. Immunological memory to SARS-CoV-2 assessed for up to 8 months after infection. Science. 06 Jan 2021.

https://science.sciencemag.org/content/early/2021/01/06/science.abf4063