Immundysregulation bei COVID-19 und zerebraler Schädigung

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Eine aktuell in „Brain“ publizierte Studie zeigte bei stationär behandlungsbedürftigen COVID-19-Erkrankten ebenso wie bei Influenza, dass abhängig vom akuten Erkrankungsschweregrad Biomarker einer zerebralen Schädigung erhöht waren. Es bestand eine Assoziation mit proinflammatorischen Zytokinen und mit der Produktion verschiedener Autoantikörper. Nach einigen Monaten war die immunologische Dysregulation noch nicht vollständig abgeklungen, und es zeigten sich Hinweise auf einen Folgeprozess mit Erhöhung des Tau-Proteins im Serum.

Die zugrunde liegenden Mechanismen der neurologischen Symptomatik des Post-COVID-Syndroms sind nicht bekannt. Für die Schwere der akuten COVID-19-Erkrankung scheint eine überschießende Entzündungs- bzw. Immunreaktion der wichtigste Faktor zu sein.

Eine aktuelle Studie [1] untersuchte nun bei 175 hospitalisierten COVID-19- und bei 45 Influenza-Erkrankten die Dynamik und den Langzeitverlauf von Serummarkern einer zerebralen Schädigung (NfL/„Neurofilament light“), GFAP/„glial fibrillary acidic protein“, Gesamt-Tauprotein) und einer fehlregulierten Immunreaktion (Autoantikörperproduktion und Zytokinprofile).

Während der Hospitalisierung hatten COVID-19-Erkrankte, abhängig von der Erkrankungsschwere, erhöhte NfL- und GFAB-Serumkonzentrationen. Es bestand eine Assoziation dieser Biomarker mit proinflammatorischen Zytokinen und dem Nachweis von Autoantikörpern gegen eine Vielzahl von Antigenen. Besonders häufig waren Antikörper gegen pulmonale Surfactant-Proteine und MAG-Antikörper (Myelin-Assoziiertes Glykoprotein). Vergleichbare Befunde fanden sich auch in der Influenza-Kohorte.

Bei der Follow-up-Untersuchung nach vier Monaten waren immer noch Zeichen einer dysregulierten Immunantwort und zerebraler Schädigungsmechanismen vorhanden (insbesondere NfL). Außerdem fanden sich erstmals Hinweise auf einen zweiten bzw. späten separaten pathologischen Prozess, charakterisiert durch IgM-Autoantikörper und eine assoziierte Erhöhung von Tauprotein im Serum (als axonaler Biomarker) – unabhängig vom initialen Erkrankungsschweregrad und von einer dysregulierten Immunantwort. 

Da sowohl COVID-19 als auch Influenza in der Akutphase zum Anstieg zerebraler Schädigungsmarker führten, und zwar sowohl im Kontext einer Dysregulation der angeborenen als auch der adaptiven Immunantwort, vermuten die Publizierenden, dass es sich bei den Befunden um den allgemeinen Ausdruck schwerer Virusinfektionen handelt.

[1] Needham EJ, Ren AL, Digby RJ et al. Brain injury in COVID-19 is associated with dysregulated innate and adaptive immune responses. Brain 2022 Sep 6; awac321.

https://academic.oup.com/brain/advance-article/doi/10.1093/brain/awac321/6692467?login=false

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