IL-1-Blockade senkt Mortalität schwerkranker COVID-19-Patienten besser als IL-6-Hemmer

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Durch medikamentöse Hemmung von Interleukin-1 (IL-1), nicht aber von Interleukin-6 (IL-6), lässt sich die Mortalität bei stationären Patienten mit COVID-19, Ateminsuffizienz und Hyperinflammation signifikant reduzieren. Das haben italienische Wissenschaftler in einer Kohortenstudie herausgefunden [1]. IL-6 zu inhibieren, war nur bei einer Subgruppe mit besonders hohen CRP-Werten wirksam, wohingegen sowohl eine IL-1- als auch eine IL-6-Inhibition besser halfen, wenn die Patienten niedrige LDH-Spiegel hatten.

Da Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf oft eine lebensbedrohliche hyperinflammatorische Reaktion auf die Virusinfektion entwickeln, liegt es nahe, mit einer Hemmung proinflammatorischer Zytokine gegenzusteuern. Mediziner einer Klinik in Mailand haben in einer Studie [1] drei Kohorten mit insgesamt 392 COVID-19-Patienten untersucht, die zwischen Februar und Mai 2020 in ihr Krankenhaus aufgenommen wurden: Zusätzlich zu einer Standardtherapie erhielten 62 den IL-1-Inhibitor Anakinra und 55 einen IL-6-Inhibitor, entweder Tocilizumab (n=29) oder Sarilumab (n=26). 275 erhielten die Standardtherapie. Eingeschlossen wurden Patienten mit einer respiratorischen Insuffizienz, definiert als Oxygenierungsindex (paO2/FiO2) ≤300 mmHg, und einer Hyperinflammation mit einem CRP ≥100mg/l oder Ferritin ≥900ng/ml.

Verglichen mit alleiniger Standardtherapie war das Mortalitätsrisiko unter Anakinra mehr als halbiert (HR 0,45). Tocilizumab oder Sarilumab hingegen verringerten die Mortalität insgesamt nicht (HR 0,9). Erst mit steigenden CRP-Werten senkten IL-6-Hemmer signifikant sowohl die Mortalität als auch das Risiko der Patienten, zu sterben oder invasiv beatmet zu werden. Insgesamt gab es für diesen kombinierten sekundären Endpunkt keine signifikanten Gruppenunterschiede.

Außer mit dem CRP-Wert korrelierte die Wirkung der Interleukinblockade auch mit dem LDH-Wert: Je niedriger dieser war, desto geringer war das Mortalitätsrisiko sowohl unter IL-1- als auch unter IL-6-Hemmern. Die Autoren folgern, dass Patienten mit sehr hohen CRP-Werten von einer IL-6-Blockade profitieren könnten, und der Benefit einer Interleukinblockade insgesamt bei LDH-Werten von über 500 U/l abnimmt.

Anakinra wurde in der Studie hochdosiert mit 2 mg/kgKG zweimal täglich als intravenöse Infusion verabreicht, bis sich eine klinische Besserung mit anhaltender Verbesserung respiratorischer Parameter und einer Reduktion des CRP-Wertes von 75% einstellte. Tocilizumab und Sarilumab wurden off-label als Einzeldosis von je 400 mg i.v. verabreicht, wobei die Tocilizumab-Gabe gegebenenfalls nach 24 Stunden wiederholt wurde, wenn sich die Atmung weiter verschlechterte.

Aufgrund der Ergebnisse randomisierter Studien (wir berichteten) wird der Einsatz von Tocilizumab derzeit eher nicht empfohlen.

[1] Cavalli G, Larcher A, Tomelleri A et al.: Interleukin-1 and interleukin-6 inhibition compared with standard management in patients with COVID-19 and hyperinflammation: a cohort study. Lancet Rheumatol 2021.

https://www.thelancet.com/journals/lanrhe/article/PIIS2665-9913(21)00012-6/fulltext