Hohe Rate von respiratorischen Co- und Superinfektionen bei COVID-19

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COVID-19-Patientinnen/-Patienten sollten möglichst auch auf begleitende – und behandelbare – Infektionen mit anderen Atemwegskeimen untersucht werden. Denn 19% haben nach den Ergebnissen einer aktuellen Metaanalyse [1] Co-Infektionen mit anderen respiratorischen Krankheitserregern und 24% bekommen eine Superinfektion. Das Sterberisiko war bei Begleit- oder Folgeinfektionen mehr als dreifach erhöht.

US-Wissenschaftlerinnen/-Wissenschaftler haben in einem systematischen Review mit Metaanalyse [1] Daten zu respiratorischen Co- und Superinfektionen bei SARS-CoV-2-Infizierten zusammengetragen und analysiert. 118 von über 6.000 gescreenten Publikationen gingen in die Analyse ein.

Die Prävalenz von Co-Infektionen war bei Patienten/Patientinnen, die nicht auf der Intensivstation behandelt wurden, mit 29% höher als im Gesamt-Durchschnitt. Gleichzeitig mit SARS-CoV-2 wurden bei den teils hospitalisierten, teils ambulant behandelten COVID-19-Patienten/-Patientinnen bei 10% andere Viren, bei 8% Bakterien und bei 4% Pilze im Respirationstrakt nachgewiesen. Die drei am häufigsten bei Co-infizierten COVID-19-Patientinnen/-Patienten nachgewiesenen Bakterien waren Klebsiella pneumoniae, Streptococcus pneumoniae und Staphylococcus aureus.

Superinfektionen waren bei Intensivpatienten mit COVID-19 mit 41% besonders häufig. Patienten mit Superinfektion hatten mehr Begleiterkrankungen, mussten häufiger invasiv beatmet werden und hatten ein höheres Risiko zu sterben.

Die erst im Verlauf aufgetretenen Superinfektionen waren ganz überwiegend bakterieller Genese, nämlich bei 20 %. Bei 8% der Patientinnen/Patienten wurden Pilze nachgewiesen, bei 4% ein zweites Virus. Mit 45% gegenüber 10% wurde eine Beatmung bei Patienten mit Superinfektionen häufiger erforderlich als bei Co-Infektionen. Bei Superinfizierten wurden am häufigsten Acinetobacter-Spezies nachgewiesen. Dies ist eine häufige Infektion, besonders bei beatmeten Patienten/Patientinnen.

In 98% der 83 Studien, in denen entsprechende Angaben gemacht wurden, wurden Antibiotika verabreicht. Ob es sich dabei um Breitspektrum-Antibiotika oder solche mit einem engeren Wirkspektrum handelte, ließ sich nicht genau ermitteln. Virale Co-Infektionen waren vor allem auf Influenza A und B und Respiratory Syncitial Virus (RSV) zurückzuführen.

Als Konsequenz aus der Metaanalyse raten die Forscherinnen/Forscher, etwa mit Virus-Panel-Tests gezielt nach Begleit- und Folgeinfektionen zu suchen, insbesondere auch, um Patienten/Patientinnen mit begleitender Influenza adäquat behandeln zu können.

[1] Musuuza JS, Watson L, Parmasad V et al.: Prevalence and outcomes of co-infection and superinfection with SARS-CoV-2 and other pathogens: A systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2021 May 6;16(5):e0251170.

https://europepmc.org/article/PMC/PMC8101968