Hohe globale Post-COVID-Prävalenz – und das sind die Risikofaktoren

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Eine Studie schätzt die weltweite Prävalenz von Post-COVID-Manifestationen auf 43% aller COVID-19-Überlebenden [1]. Bei inzwischen laut WHO ungefähr 470 Millionen Infektionen wären das 200 Millionen Langzeit-Betroffene. Am häufigsten sind dabei Fatigue, Gedächtnisstörungen und Kurzatmigkeit. Erstaunlicherweise waren Faktoren, die das COVID-19-Sterberisiko beeinflussen (wie Alter, ethnische Zugehörigkeit und Sozialstatus), nicht mit der Entwicklung von Langzeitfolgen assoziiert. Dies waren vor allem Hospitalisierung, Diabetes mellitus und ein höherer BMI [2].

Die WHO fasst die unterschiedlichen post-akuten Folgen einer COVID-19-Erkrankung („Post-Acute Sequelae of SARS-CoV-2“/PASC) unter der ICD-10: U09.9 zusammen. Ein systematisches Review mit Metaanalyse von 41 Studien aus dem Zeitraum von Juli 2021 bis März 2022 [1] ermittelte eine weltweite Prävalenz der Post-COVID-19-Manifestationen von 0,43 (43%). Bei Betroffenen, die stationär behandelt werden mussten, betrug die globale gepoolte Prävalenz 54% und bei nicht-hospitalisierten Erkrankten 34%.

Dabei lagen die globalen Prävalenzen 30, 60, 90 und 120 Tage nach der akuten Infektion bei 37%, 25%, 32% und 49%. Die regionalen Prävalenzen unterschieden sich teilweise deutlich: Asien 0,51, Europa 0,44 und Nordamerika 0,31. Die häufigsten Symptome waren Fatigue (23%) und Gedächtnisstörungen (14%).

Dabei ist allerdings anzumerken, dass die Metaanalyse einige methodische Mängel aufweist. So sind u. a. die Konfidenzintervalle sehr groß; die eingeschlossenen Studien haben teilweise sehr heterogene Ergebnisse und viele wurden bislang auch nur online als Preprint publiziert.

Eine prospektive Beobachtungsstudie [2] evaluierte in den USA gezielt die Assoziation demografischer und klinischer Merkmale mit der Entwicklung postakuter COVID-19-Folgen (PASC). Interessanterweise waren die klassischen Risikofaktoren des COVID-19-Outcomes (Sterblichkeit) wie Alter, ethnische Zugehörigkeit, soziale Benachteiligung bzw. SoV-Index (SoVI „Social Vulnerability Index“) und initialer funktioneller Status nicht mit dem PASC-Risiko assoziiert.

In einer Kohorte von 1.038 erwachsenen hospitalisierten oder ambulant behandelten Hochrisiko-Betroffenen mit laborbestätigter COVID-19-Infektion entwickelten 309 (29,8 %) PASC. Am häufigsten waren bei hospitalisierten Erkrankten Fatigue (31,4%) und Kurzatmigkeit (15,4 %) und bei ambulant Behandelten eine Anosmie (15,9%). Unabhängig assoziiert mit dem PASC-Auftreten waren eine stationäre COVID-19-Behandlung (OR 1,49), ein Diabetes mellitus (OR 1,39) und ein höherer BMI (OR 1,02). Invers mit PASC assoziiert waren der Krankenversicherungsstatus (staatliche gegenüber private KV) OR 0,49 sowie ein Zustand nach Organtransplantation (OR 0,44).

[1] Chen Chen, Haupert SR, Zimmermann L et al. . Global Prevalence of Post COVID-19 Condition or Long COVID: A Meta-Analysis and Systematic Review, The Journal of Infectious Diseases, 2022;, jiac136, Published: 16 April 2022.

https://academic.oup.com/jid/advance-article/doi/10.1093/infdis/jiac136/6569364?login=false

[2] Yoo SM, Liu TC, Motwani Y et al. Factors Associated with Post-Acute Sequelae of SARS-CoV-2 (PASC) After Diagnosis of Symptomatic COVID-19 in the Inpatient and Outpatient Setting in a Diverse Cohort. J Gen Intern Med 2022 Apr 7;1-8.

https://link.springer.com/article/10.1007/s11606-022-07523-3

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