Höheres Risiko für psychiatrische Erkrankungen in Folge von COVID-19

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Am Montag wurde in „The Lancet Psychiatry“ eine Studie publiziert, der zufolge fast jeder fünfte COVID-19-Patient eine psychiatrische Folgeerkrankung entwickelt. Die Autoren mahnen an, diese Erkenntnisse in Nachsorgeprogramme einfließen zu lassen. Umgekehrt ist bekannt, dass psychiatrische Grunderkrankungen das COVID-19-Risiko erhöhen und zu einer höheren Letalität der Infektionserkrankung führen (wir berichteten).

In einer US-Kohortenstudie wurden die elektronischen Patientendaten von 69 Mio. Menschen analysiert. 62.354 hatten eine COVID-19-Diagnose erhalten und es wurde untersucht, ob die Infektionserkrankung mit einem höheren Risiko für psychiatrische Folgeerkrankungen assoziiert war als andere Diagnosen wie etwa Influenza oder Frakturen. Die Studie untersuchte das Auftreten von psychiatrischen Diagnosen, Demenz und Insomnie 14 bis 90 Tage nach COVID-19-Diagnose.

Im Ergebnis zeigte sich, dass COVID-19-Patienten ohne psychiatrische Vorerkrankungen im Vergleich zu den Patienten, die andere Erkrankungen erlitten, ein mehr als doppelt so hohes Risiko für psychiatrische Diagnosen aufwiesen (HR: 2,1). Am häufigsten traten Angststörungen, Schlaflosigkeit und Demenz auf. Die Inzidenz von psychiatrischen Erkrankungen nach einer COVID-19-Erkrankung betrug 18,1%; bei 5,8% Patienten war es die erste psychiatrische Diagnose. Die Inzidenz einer Demenz-Erstdiagnose betrug bei Patienten über 65 Jahre 1,6%. Dabei bleibt offen, ob die COVID-19-Infektion zur Demaskierung einer subklinisch vorbestehenden Demenz führte.

Die Autoren schlussfolgern, dass COVID-19-Patienten ein erhöhtes Risiko haben, psychiatrische Folgeerkrankungen zu erleiden, und diese Erkenntnis in Nachsorgeangebote eingehen sollte.

Maxime Taquet, Sierra Luciano, John R Geddes et al. Bidirectional associations between COVID-19 and psychiatric disorder: retrospective cohort studies of 62 354 COVID-19 cases in the USA. The Lancet Psychiatry. Published online November 9.

https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(20)30462-4/fulltext