Hinweis auf immun-vermittelte Myopathie bei schwerer SARS-CoV-2-Infektion

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In einer Studie [1], bei der Muskelgewebe von Verstorbenen mit einer COVID-19-Infektion post mortem untersucht wurde, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin bei den meisten Betroffenen mit schwerer COVID-19-Erkrankung histopathologisch Zeichen einer milden bis schweren Myositis vermutlich immunogener Genese nachgewiesen. Hinweise auf eine direkte Virusinvasion ergaben sich dabei nicht.

Die Infektion mit SARS-CoV-2 könnte bei schwer erkrankten Patienten und Patientinnen mit einer post- oder parainfektiösen Myositis assoziiert sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, vornehmlich von der Charité-Universitätsmedizin, aus einer Fall-Kontrollstudie [1] bei 43 mit und 11 ohne COVID-19 Verstorbenen, die zwischen März 2020 und Februar 2021 innerhalb von weniger als sechs Tagen nach ihrem Tod einer Autopsie unterzogen wurden. Sie waren im Median 72 beziehungsweise 71 Jahre alt, 72 % und 64 % waren Männer. Im Hinblick auf invasive Behandlungen, klinische und laborchemische Hinweise auf eine Sepsis und systemische Entzündung waren beide Gruppen vergleichbar. Die COVID-19-Kohorte war allerdings insgesamt länger im Krankenhaus und auf der Intensivstation.

26 der 43 und damit 60 % der mit COVID-19 Verstorbenen hatten Anzeichen einer Muskelentzündung. Bei denen mit längerer Krankheitsdauer von im Median 51 Tagen und solchen mit SARS-CoV-2-Serokonversion war diese deutlicher ausgeprägt als bei denjenigen mit akutem oder subakutem Verlauf oder bei denen, die aufgrund anderer Krankheiten verstorben waren. 

Verglichen mit der Kontroll-Gruppe hatten die COVID-19-Verstorbenen mit 3,4 gegenüber 1,5 einen signifikant höheren Muskelpathologie-Score. Dieser wurde anhand einer visuellen Analogskala von 0-10 ermittelt und berücksichtigte Entzündung, Nekrose und Degeneration. Auch der Entzündungs-Score war bei COVID-19-Patienten/-Patientinnen mit 3,5 im Vergleich zu 1 signifikant höher.

Während sich bei den nicht mit COVID-19 Verstorbenen keine Hochregulation von Major-Histocompatibility (MHC)-Antigenen der Klassen I und II als Ausdruck einer Immunantwort nachweisen ließ, betraf dies 55 % und 17 % der Proben von COVID-19-Patienten und -Patientinnen. Bei letzteren war auch die Zahl der natürlichen Killerzellen (NK) signifikant höher, weshalb das Forscherteam davon ausgeht, dass diese eine pathogenetische Rolle bei der COVID-19-assoziierten Myositis spielen. Obgleich in einzelnen Proben mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) SARS-CoV-2 nachgewiesen werden konnte, ergab sich immunhistochemisch und elektronenmikroskopisch kein Hinweis auf eine direkte Virusinvasion der Muskelfasern. Skelettmuskelzellen waren im Übrigen stärker entzündet als Herzmuskelzellen.

Inwieweit sich die Ergebnisse auf mildere Krankheitsverläufe übertragen lassen – insgesamt klagen 30-60 % der Patienten mit SARS-CoV-2 über Myalgien – oder vielleicht auch eine chronische Muskelschwäche im Anschluss an COVID-19 erklären können, ist in weiteren Studien zu klären.

[1] Aschman T, Schneider J, Greuel S et al. Association Between SARS-CoV-2 Infection and Immune-Mediated Myopathy in Patients Who Have Died. JAMA Neurol. 2021 Jun 11.

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2781013

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