Heterologes Impfschema mit mRNA-Vakzinen nach einer ersten Dosis ChAdOx1-nCoV-19 (AstraZeneca) dem homologen überlegen

© iStock/Aja Koska

Durch das Auftreten von zerebralen Venen- und Sinusthrombosen nach Impfung mit Vektorimpfstoffen wurden diese in vielen Ländern nur noch Menschen über 60 Jahren verabreicht. Viele unter 60-Jährige waren aber bereits einmal mit dem Vakzin von AstraZeneca geimpft worden und es stellte sich die Frage, wie die Impfserie fortzusetzen sei. Viele Menschen entschieden sich für ein heterologes Impfschema. Verschiedene Studien zeigen nun eine Überlegenheit der Zweitimpfung mit einem mRNA-Vakzin nach Erstimpfung mit AstraZeneca, darunter auch eine Erhebung aus Hannover [1].

Eine in „Nature Medicine“ publizierte Arbeit [1] wertete die Immunität von 87 Angestellten der Medizinischen Hochschule Hannover aus, die initial mit AstraZeneca geimpft worden waren. 32 Personen hatten sich für eine Zweitimpfung mit dem gleichen Vakzin entschieden, bei 55 erfolgte die Booster-Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech.

Nach der Impfung wurde in beiden Gruppen ein Anstieg an IgG-Antikörpern gegen die S1-Domäne des Spike-Proteins (Anti-S IgG) sowie eine IgA-Antwort beobachtet. Während sich nach homologer Impfserie die Anti-S IgG-Spiegel um den Faktor 2,9 erhöhten, stiegen sie nach heterologer ChAd/BNT-Impfung um das 11,5-Fache an. Die Anti-S IgG- und IgA-Konzentrationen waren nach heterologem Impfschema (ChAd/BNT) ähnlich hoch wie nach BNT/BNT-Impfung. Darüber hinaus führte die heterologe ChAd/BNT-Impfung im Vergleich zur zweimaligen Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca zu höheren CD4+- and CD8+-T-Zell-Konzentrationen und – das erscheint angesichts der Pandemielage von besonderer Wichtigkeit – zu hohen Titern neutralisierender Antikörper gegen die SARS-CoV-2-Varianten B.1.1.7, B.1.351 und P.1.

Ähnliches beschrieb auch eine schwedische Arbeitsgruppe im „The New England Journal of Medicine“ [2], in der 88 Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten hatten, untersucht wurden. 37 hatten sich mit dem gleichen Impfstoff zweitimpfen lassen, 51 mit dem mRNA-Vakzin von Moderna. Nach heterologer Impfung waren die Spike-spezifischen Antikörpertiter 115-mal höher und die RBD-spezifischen IgG-Antikörper 125-mal höher als die Ausgangswerte vor der Zweitimpfung, während sich diese in der Gruppe, die das homologe Impfschema erhielt, nur um das Fünffache erhöhten. Auch in dieser Studie wurde festgestellt, dass die Zweitimpfung mit dem mRNA-Impfstoff zur Bildung neutralisierender Antikörper gegen die B.1.351-Variante führte, nicht aber die Zweitimpfung mit dem Vektorimpfstoff.

Dass der mRNA-Impfstoff von BioNTech dem Vakzin von AstraZeneca im Hinblick auf den Schutz vor der Delta-Variante überlegen ist und wie wichtig die vollständige Impfung ist, zeigte eine weitere im „The New England Journal of Medicine“ publizierte Arbeit [3]. Der Schutz vor der Delta-Variante betrug nach Erstimpfung mit beiden Impfstoffen 30,7% - hier gab es also keinen nennenswerten Unterschied. Nach zwei Impfungen mit BNT betrug der Schutz gegen die Delta-Variante 88%, nach zwei Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca 67% - und war damit bei beiden Vakzinen geringer als die Schutzwirkung gegen die Alpha-Variante (AZ: 74,5%, BNT: 93,7%).

Seit den 1. Juli 2021 empfiehlt die STIKO ein heterologes Impfschema und mahnt, die Zweitimpfung in Anspruch zu nehmen [4].

[1] Barros-Martins J, Hammerschmidt SI, Cossmann A et al. Immune responses against SARS-CoV-2 variants after heterologous and homologous ChAdOx1 nCoV-19/BNT162b2 vaccination. Nature Medicine. Published: 14 July 2021.

https://www.nature.com/articles/s41591-021-01449-9

[2] Normark J, Vikström L, Gwon YD et al. Heterologous ChAdOx1 nCoV-19 and mRNA-1273 Vaccination. NEJM. Published: 14 July 2021.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2110716

[3] Bernal JL, Andrews N, Gower C et al. Effectiveness of Covid-19 Vaccines against the B.1.617.2 (Delta) Variant. NEJM. Published: 21 July 2021.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2108891

[4] https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/PM_2021-07-01.html

Nach oben springen