Herzstillstand und COVID-19 – eine besonders tödliche Kombination

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Nach Daten einer schwedischen Registerstudie aus dem Zeitraum vom 1. Januar bis 20. Juli 2020 [1] scheint sich die Prognose eines Herzstillstands in der COVID 19-Pandemie deutlich verschlechtert zu haben. Die 30-Tage-Mortalität war bei Patienten mit Herzstillstand doppelt bis dreimal so hoch, wenn eine Infektion mit COVID-19 vorlag.

Die Forscher werteten Daten aus dem Swedish Registry for Cardiopulmonary Resuscitation aus. COVID-19 stand dabei an sechster Stelle von 27 möglichen Prädiktoren für den tödlichen Ausgang eines Herzstillstands – hinter Adrenalin-Bedarf, Intubation, Ort des Herzstillstands, Alter und initialem Herzrhythmus. Insgesamt erlitten 1.946 Patienten einen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses (out-of-hospital cardiac arrest, OHCA) und 1.080 im Kliniksetting (in-hospital cardiac arrest, IHCA). Sie waren durchschnittlich 70 bzw. 69 Jahre alt, 34% bzw. 37% waren Frauen. 90% der OHCA- und 63% der IHCA-Patienten starben.

Während der Pandemie war die Wahrscheinlichkeit für OHCA-Patienten, innerhalb der ersten 30 Tage zu sterben, 3,4-fach erhöht, wenn sie COVID-19 hatten. Tatsächlich überlebte kein einziger OHCA-Patient mit COVID-19-Infektion im Beobachtungszeitraum bis zum 20. Juli. Bei nicht-infizierten OHCA-Patienten überlebten 36%. Die adjustierte 30-Tage-Überlebensrate für OHCA-Patienten betrug mit COVID-19 4,7%, ohne COVID-19 9,8% und vor der Pandemie 7,6%.

Im Vergleich zur Präpandemie-Phase nahm die Zahl der OHCA aufgrund einer Ateminsuffizienz 2,7-fach zu, und die Zahl kardiopulmonaler Reanimationen (CPR) mit ausschließlicher Kompression um 8,6%. Bei 94% der OHCA waren andere Menschen zugegen, bei 32,4% führten diese auch eine Defibrillation durch. Beides geschah häufiger als vor der Pandemie (85,8% versus 22%). Nur bei 7,5% der Patienten mit COVID-19 gelang die Defibrillation. Bei den Patienten ohne COVID-19 waren es 22,8%.

Bei den IHCA war COVID-19 mit einem 2,3-fach erhöhten 30-Tage-Mortalitätsrisiko assoziiert. Insgesamt waren in der Pandemie die Patienten mit IHCA im Durchschnitt vier Jahre jünger und der Anteil ursächlicher Myokardinfarkte lag um 29% niedriger.  Die ersten 30 Tage überlebten 23,1% der COVID-19-IHCA-Patienten und 39,5% IHCA-Betroffene ohne Infektion. Vor der Pandemie lag die 30-Tage-Überlebensrate bei 36,4%. 

Angesichts der schlechten Prognose und des hohen Risikos für einen Herzstillstand empfehlen die Autoren, EKG und Sauerstoffsättigung bei stationär behandelten COVID-19-Patienten zu überwachen, um schnell auf ventrikuläre Arrhythmien und Entsättigung reagieren zu können.

[1] Sultanian P, Lundgren P, Strömsöe A et al.: Cardiac arrest in COVID-19: characteristics and outcomes of in- and out-of-hospital cardiac arrest. A report from the Swedish Registry for Cardiopulmonary Resuscitation. Eur Heart J. 2021, 00:1-13.

https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehaa1067/6128749