Halbierung der Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Schlaganfall in der ersten Pandemiephase

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In Deutschland wurde während der ersten Welle der Pandemie beobachtet, dass sich die Zahl der Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen als COVID-19 hospitalisiert werden mussten und sich in der Notaufnahme vorstellten, stark zurückgegangen war. Insbesondere der deutliche Rückgang der Patienten auf den Stroke Units beunruhigte die Experten. Prof. Dr. Christian Gerloff, stellvertretender DGN-Präsident nahm seinerzeit im NDR dazu Stellung. Eine US-amerikanische Studie verglich nun die Zahl der Hospitalisierungen mit der der Vorjahre: Die Zahl der Einweisungen aufgrund von Schlaganfällen hatte sich im Frühjahr 2020 halbiert.

Eine Studie [1] wertete retrospektiv die Einweisungen von Patientinnen und Patienten in vier New Yorker Kliniken im Zeitraum 1. März bis 9. Mai 2020 aus, die nicht wegen COVID-19 hospitalisiert werden mussten, und verglich die Zahl mit der des gleichen Zeitraums in den Jahren 2018 und 2019.

Insgesamt war 2020 ein deutlicher Rückgang an Hospitalisierungen zu verzeichnen. Waren 2019 in dem angegebenen Zeitraum 6.411 Patientinnen und Patienten aufgenommen worden (2018 waren es 5.368), betrug die Zahl derer, die 2020 aus anderen Gründen als COVID-19 stationär aufgenommen wurden, lediglich 3.657. Besonders hoch war der Rückgang der stationären Aufnahmen während des Gipfels der Pandemiewelle, zwischen dem 22. März und dem 11. April. Eine Aufschlüsselung nach Diagnosen zeigte, dass sich während dieser Phase die Einweisung von Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall halbiert (7,0 vs. 14,7) und sich die Aufnahme von Patientinnen und Patienten mit Epilepsie sogar auf ein Drittel reduziert hatte (3,7 vs. 11,5).

Ganz ähnliche Daten ergab die Auswertung [2] von fünf Notaufnahmen von zwei akademischen Krankenhäusern (Stanford University und New York-Presbyterian/Weill Cornell Medical Center). Der Vergleich zeigte aber auch ein Stadt-Land-Gefälle: Während sich in New York zur Zeit der ersten Pandemiewelle die Zahl der Schlaganfälle um 49% reduziert hatte, war sie in Stanford, 60 km südöstlich von San Francisco, lediglich um 16% zurückgegangen. Die Sorge vor einer COVID-19-Ansteckung im Krankenhaus veranlasste in der Metropole also deutlich mehr Patientinnen und Patienten, keine medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

[1] Saul Blecker, Simon A. Jones, Christopher M. Petrilli et al. Hospitalizations for Chronic Disease and Acute Conditions in the Time of COVID-19. JAMA Intern Med. Published online October 26, 2020.

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2772351

[2] Hriday P. Bhambhvani, Adrian J. Rodrigues, Jonathan S. Yu  et al. Hospital Volumes of 5 Medical Emergencies in the COVID-19 Pandemic in 2 US Medical Centers. AMA Intern Med. Published online October 26, 2020.

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2772352