Guillain-Barré-Syndrom und Fazialisparesen nach COVID-19-Impfung

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Fazialisparesen und ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS) wurden wiederholt in zeitlichem Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion beschrieben. Jetzt berichten zwei kleinere Fallserien aus Indien und Großbritannien über das gehäufte Auftreten von Fazialisparesen und eines GBS nach Impfung mit der COVID-19-Vakzine von Oxford-AstraZeneca. Alle Patienten/Patientinnen hatten eine beidseitige Gesichtslähmung – eine sonst vergleichsweise seltene GBS-Variante. Sechs der sieben Betroffenen in Indien entwickelten eine Tetraparese und mussten beatmet werden.

In einem Zeitraum von vier Wochen zwischen Mitte März und Mitte April 2021 beobachteten Medizinerinnen und Mediziner in drei Distrikten des indischen Bundesstaats Keral bei sieben Menschen binnen zwei Wochen nach Erstimpfung mit ChAdOx1-S ein GBS. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Fallserie [1] berichten, lag die Inzidenz mit 5,8 pro Million Menschen in dieser Gruppe etwa 1,4- bis 10-mal so hoch, wie es in diesem Zeitraum sonst zu erwarten gewesen wäre. Die Patienten/Patientinnen befanden sich in ihrer fünften bis siebten Lebensdekade, sechs waren Frauen. Alle hatte ein GBS mit beidseitiger Gesichtslähmung, eine Symptomatik, die sonst bei weniger als 20 % der GBS-Erkrankungen vorkommt. 57 % hatten auch andere Hirnnervenbeteiligungen, was in Indien bislang bei weniger als 5% der GBS-Fälle beobachtet worden war. Alle sieben Betroffenen entwickelten eine Areflexie und Tetraparese, sechs mussten maschinell beatmet werden.

Die britischen Patienten, vier Männer im Alter zwischen 20 und 57 Jahren, über die Neurologen aus Neurologen/Neurologinnen berichten [2], hatten eine beidseitige Fazialisparese und Parästhesien. Die Symptome besserten sich bei zwei Betroffenen unter der Therapie mit 60 mg/d Prednisolon über fünf Tage, bei einem nach Gabe von intravenösen Immunglobulinen und bei einem spontan. Weder in der PCR aus dem Nasopharynx-Abstrich noch aus serologischen Antikörpertests, dem Röntgenbild des Thorax oder der Anamnese ergaben sich Hinweise auf eine SARS-CoV-2-Infektion. Serologische und Liquoruntersuchungen auf andere mögliche infektiöse Auslöser der Fazialisparesen fielen negativ aus. Die Symptome begannen 11-22 Tage nach der ersten Impfdosis, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die maximale Immunantwort auf die Impfung zu erwarten wäre. Ein kausaler Zusammenhang kann daraus allerdings nicht abgeleitet werden.

Weitere Impfüberwachungsprogramme, die sicherstellen, dass auch seltene Nebenwirkungen erfasst werden, sind weiterhin wichtig.

[1] Maramattom BV, Krishnan P, Paul R et al. Guillain-Barré Syndrome following ChAdOx1-S/nCoV-19 Vaccine. Ann Neurol. 2021 Jun 10.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ana.26143

[2] Allen CM, Ramsamy S, Tarr AW et al. Guillain-Barré syndrome variant occurring after SARS-CoV-2 vaccination. Ann Neurol. 2021 Jun 10.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ana.26144?af=R

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