Günstige Statin-Effekte bei COVID-19

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Patienten, die eine Dauertherapie mit Statinen, Angiotensin-Converting-Enzyme(ACE)-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) erhalten, gehören besonders häufig zu der Patientengruppe, die wegen ihrer Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben. Daher ist es von besonderem Interesse, ob diese Substanzen einen Einfluss darauf haben. In einer retrospektiven Studie wurden 170 COVID-19-Patienten, die von Februar bis Juni in der Universitätsklinik von San Diego stationär behandelt wurden, analysiert und mit 5.281 COVID-negativen Kontrollen verglichen.

Zu einem schweren Verlauf (Tod oder Intensivtherapie) kam es bei 90 (53%) der eingewiesenen COVID-Patienten – und zwar im Median zwei Tage nach Aufnahme. 78 Patienten wurden median nach sieben Tagen von der Intensivstation wieder entlassen. Evaluiert wurde die Medikamenteneinnahme in dem Monat vor COVID-19-Beginn. Die Ergebnisse wurden hinsichtlich demografischer Faktoren, Komorbiditäten und der gleichzeitigen Einnahme von Angiotensin-Converting-Enzyme(ACE)-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB)  adjustiert.

Eine Statin-Therapie war mit einem signifikant reduzierten Risiko für einen schweren Verlauf (adj. OR 0,29; p<0,01) und einer schnelleren Erholung (adj. HR 2,69; p<0,01) assoziiert. In der COVID-negativen-Kontrollkohorte war diese Assoziation schwächer (p für Interaktion =0,07). Auch die Einnahme von ARB-Blockern war mit einer schnelleren Erholung assoziiert (aHR 1,92; aber nicht signifikant).

Die Autoren halten den protektiven Effekt der Statine für pathophysiologisch plausibel, da die Substanzen antiinflammatorische und immunmodulatorische Wirkungen haben und es über eine Expressionszunahme von ACE2 zu einem direkten Effekt auf die Viren kommt. Statine hemmen möglicherweise auch die SARS-CoV2-Infektiosität durch eine direkte Bindung und Hemmung der viralen Hauptprotease von Coronaviren. Coronaviren können eine Entzündungskaskade durch Aktivierung des Signalweges über TLR-4 („toll like receptor“) / MyD88 („myeloid differentiation factor 88“ / nf-kappa-B induzieren. Dieser Signalweg konnte im Tiermodell durch Statine unterbrochen werden.

Obwohl SARS-CoV-2 den ACE2-Rezeptor zur Zellinvasion nutzt, kommt es in vivo durch die Viren zur Herunterregulation der ACE2-Expression und dadurch zur exzessiven Angiotensin-Produktion, die in kausalem Zusammenhang mit einem pulmonalen Versagen stehen soll. Somit ist die Erhöhung der ACE2-Expression ein weiterer potenzieller Mechanismus, wie Statine (und gleichermaßen ACEI und ARB) gegen die COVID-19-assoziierte Lungenschäden schützen könnten. Randomisierte prospektive Studien zu Statinen und COVID-19 wurden bereits begonnen.

Daniels LB, Sitapati AM, Zhang J et al. Relation of Statin Use Prior to Admission to Severity and Recovery Among COVID-19 Inpatients. Am J Cardiol 2020 Sep 15; S0002-9149 (20) 30947-4 doi: 10.1016/j.amjcard.2020.09.012. Online ahead of print https://www.ajconline.org/article/S0002-9149(20)30947-4/fulltext