Große US-Studie soll mehr Klarheit zu postakuten COVID-19-Folgen bringen

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Um die immer noch großen Wissenslücken zu postakuten Folgen von COVID-19 („postacute sequelae of COVID-19“/PASC) zu schließen, gerade bezüglich neuropsychiatrischer Manifestationen, ist in den USA eine große Multicenter-Studien-Initiative geplant. Sie heißt RECOVER („Researching COVID to Enhance Recovery“), wird von den National Institutes of Health (NIH) finanziert und soll nach Mitteilung von Wissenschaftlerinnen der Universität New York [1] einen umfassenden Erkenntniszugewinn zur Epidemiologie und Pathophysiologie von PASC und den Schadensmechanismen liefern.

Wie die zwei US-Autorinnen in einer auf einer Literaturrecherche basierenden speziellen Mitteilung [1] schreiben, wurde bei bis zu 90% der von COVID-19-Betroffenen sechs Monate nach Hospitalisierung und bei etwa einem Viertel der nichthospitalisierten Erwachsenen mit COVID-19 im Verlauf mindestens ein neuropsychiatrisches Symptom beobachtet. Viele Mechanismen werden diskutiert, aber die Definitionen für PASC variieren. Das liege vor allem daran, dass standardisierte Phänotypen und Biomarker fehlen, aber unter anderem auch an den verschiedenen Virusvarianten und daran, dass soziale Determinanten von Gesundheit sowie Pandemie-bedingter Stress oft nicht einbezogen werden.

Die RECOVER-Initiative will durch Einschluss sehr vieler Patientinnen und Patienten in klinischen Kohortenstudien helfen, PASC und seine neuropsychiatrischen Manifestationen besser zu begreifen. Teilnehmen sollen Menschen über das gesamte Altersspektrum hinweg und mit unterschiedlichen Krankheitsausprägungen und -erfahrungen. Dabei wollen die Forscherinnen und Forscher pathologische Untersuchungen, Big-Data-Sammlungen aus elektronischen Krankenakten sowie State-of-the-Art-Untersuchungen, etwa Kernspintomografien von Betroffenen, miteinbeziehen. Es ist vorgesehen, ein breites Spektrum möglicher Manifestationen an verschiedenen Organsystemen zu berücksichtigen, wie etwa kardiologische, pneumologische, neurologische und psychiatrische Symptome. In die Erwachsenen-Kohortenstudie mit retro- und prospektiver Datensammlung sollen beispielsweise unter Annahme einer PASC-Rate von 25% etwa 15.000 COVID-19-Betroffene aus stationärer und ambulanter Versorgung und 2.680 Kontrollpersonen eingeschlossen werden. Um zu einer datenbasierten, praktischen PASC-Definition zu gelangen, werden drei vorrangige Ziele verfolgt: Erstens, die Inzidenz und Prävalenz von COVID-19-Langzeitfolgen zu charakterisieren und Sub-Phänotypen zu beschreiben. Zweitens, klinischen Verlauf und Erholung bei PASC zu charakterisieren und Risikofaktoren auszumachen. Als Drittes wollen die Forscher und Forscherinnen den pathophysiologischen Mechanismen hinter PASC auf den Grund gehen und herausfinden, was sich dabei vielleicht modifizieren lässt. Letztlich erhofft man sich Ansätze, wo und wie man therapeutisch eingreifen könnte.

[1] Frontera JA, Simon NM. Bridging Knowledge Gaps in the Diagnosis and Management of Neuropsychiatric Sequelae of COVID-19. JAMA Psychiatry 2022, Jun 29. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2022.1616.

https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2793903

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