Gangliosid-Antikörper bei COVID-19-assoziiertem Guillain-Barré-Syndrom

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US-Neurologen berichten erstmals von einer Patientin mit GM1-Antikörper-positivem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) im Anschluss an eine relativ milde SARS-CoV-2-Infektion [1]. – Bemerkenswert, denn bei den bislang über 80 in der Literatur beschriebenen Fällen COVID-19-assoziierter GBS wurden in der Regel keine Gangliosidantikörper nachgewiesen.

In einem Fallbericht mit systematischem Review berichten Mediziner aus Los Angeles von einer 36-jährigen Patientin mit GBS und Nachweis von GM1-Antikörpern drei Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion mit positiver PCR im Nasenrachen-Abstrich. Sie stellte sich mit seit drei Tagen zunehmender, aufsteigender Muskelschwäche der unteren Extremitäten und fehlenden Muskeleigenreflexen vor. Zu dem Zeitpunkt konnte sie weder stehen noch gehen. Ihre COVID-19-Erkrankung war relativ mild verlaufen, mit Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, allgemeinem Krankheitsgefühl und leichter Atemnot. Das MRT von Kopf und Wirbelsäule, Routinelabor und neuerlicher SARS-CoV-2-Abstrich waren unauffällig und der Liquor zellfrei mit einem Proteingehalt von 20 mg/dl. Im Screening auf Gangliosid-Antikörper wurden Antikörper gegen Asialo GM1, GM1, GD1a, GD1b und GQ1b nachgewiesen. Elektrophysiologische Untersuchungen lehnte die Patientin ab. Eine Woche nach Gabe intravenöser Immunglobuline (400 mg/kg/d über 5 Tage) wurde sie entlassen und vermochte nach drei Wochen wieder, kurze Strecken mit Gehstock zu laufen.

Die eigene Patientin eingeschlossen, fanden die Wissenschaftler bei der Literaturrecherche insgesamt 83 Fälle von GBS nach COVID-19, darunter neun mit der Variante eines Miller Fisher-Syndromes (MFS). Von 36 Fällen mit dokumentierten Autoantikörpertests waren bei 31 keine typischen Antikörper nachgewiesen worden. Insbesondere wurden außer beim aktuellen Fall keine GM1-Antikörper bei GBS und keine GQ1b-Antikörper bei MFS festgestellt.

Angesichts des überwiegenden Fehlens von Gangliosid-Antikörpern bei COVID-19-assoziiertem GBS bezweifeln die Autoren, dass es sich bei ihrer Patientin tatsächlich um den ersten dokumentierten Fall eines GM1-positiven COVID-19-assoziierten GBS handelt. Eine Koinzidenz von COVID-19-Infektion und herkömmlichem GBS erscheint wahrscheinlicher. Sollte pathogenetisch auch bei SARS-CoV2 ein molekulares Mimikry zwischen Virusantigenen und körpereigenen Strukturen zugrunde liegen, legen die vielen negativen Tests nahe, dass die der Demyelinisierung des peripheren Nervensystems zugrunde liegende Entzündung bei COVID-19 über ein anderes, noch unbekanntes Zielantigen vermittelt wird. Dieses zu identifizieren, wäre wichtig, auch um das Sicherheitsprofil neuer Impfstoffe zu erhöhen.

[1] Dufour C, Co TK, Liu A: GM1 ganglioside antibody and COVID-19 related Guillain Barre Syndrome - A case report, systemic review and implication for vaccine development. Brain Behav Immun Health. 2021; 12: 100203.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666354621000065

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