Gerinnungsscreening beim Post-COVID-Syndrom?

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Britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen bei einem Post-COVID-Syndrom die vWF-Ag/ADAMTS13-Ratio zu screenen. In einer Kohorte von 330 Betroffenen fanden sie bei fast einem Drittel Werte ≥1,5 [1]. Dies betraf vor allem Erkrankte mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit. Sie hatten zu 55% eine erhöhte vWF-Ag/ADAMTS13-Ratio. Die Befunde deuten darauf hin, dass Hyperkoagulabilität und endotheliale Dysfunktion womöglich nicht nur bei akuter COVID-19-Erkrankung, sondern auch bei persistierenden Beschwerden eine Rolle spielen könnten.

Bei manchen Patientinnen und Patienten mit Post-COVID-Syndrom (PCS) könnte sich künftig, ähnlich wie bei hospitalisierten Menschen mit akuter SARS-CoV-2-Infektion, eine antithrombotische Therapie anbieten. Das schlussfolgert eine Arbeitsgruppe aus London, der im Rahmen einer retrospektiven Studie [1] bei einem Teil der Betroffenen in ihrer PCS-Ambulanz pathologisch veränderte Gerinnungswerte auffielen. Dabei handelte es sich um von Willebrandt-Faktor-Antigen (vWF-Ag) und ADAMTS13 (A Disintegrin and Metalloprotease with Thrombospondin 1 repeats, number 13). Verschiebungen des Quotienten zugunsten vWF-Ag zeigen eine Hyperkoagulabilität an mit erhöhtem Risiko für mikrovaskuläre Thrombosierungen im Rahmen der Akuterkrankung. Ob ähnliche Veränderungen des Gerinnungsstatus auch an der Pathogenese des PCS beteiligt sein könnten, prüften die Forscherinnen und Forscher anhand der Daten aus insgesamt 1.471 Konsultationen zwischen Juli 2020 und Mai 2021, wobei letztlich allerdings nur für 330 Patientinnen und Patienten entsprechende Tests vorlagen. In die PCS-Sprechstunde wurden sowohl zuvor hospitalisierte Erkrankte als auch solche, die während der akuten Erkrankung ambulant behandelt worden waren, überwiesen.

Die Betroffenen, die sich 3 bis 15 Monate nach der COVID-19-Infektion vorstellten, waren im Median 46 Jahre alt und zu 60% weiblich. Im Median betrug die vWF-Ag/ADAMTS13-Ratio 1,2. Deren Abgleich mit den häufigsten PCS-Symptomen wie Fatigue, Kopfschmerzen und Kognitionsstörungen ergab keine signifikanten Assoziationen. Allerdings war bei den 20% der Untersuchten, die unter Belastung im 6-Minuten-Gehtest oder im einminütigen Sit-to-Stand-Test einen Abfall der Sauerstoffsättigung um mindestens 3% und einen Lactatanstieg um ≥1 aufwiesen, die Wahrscheinlichkeit einer erhöhten vWF-Ag/ADAMTS13-Ratio viermal höher als bei normal körperlich Belastbaren. Alter, Geschlecht und Komorbiditäten beeinflussten diese Unterschiede nicht. Auch die Schwere der initialen Erkrankung oder Lungenmanifestationen spielte keine erkennbare Rolle.

Die Autoren und Autorinnen diskutieren einen persistierenden prothrombotischen Zustand mit endothelialer Dysfunktion und Mikrothromben im Kapillarbett großer Muskeln als Ursache der reduzierten Belastbarkeit.

[1] Prasannan N, Heightman M, Hillman T et al. Impaired exercise capacity in post-COVID syndrome: the role of VWF-ADAMTS13 axis. Blood Adv. 2022 May 11:bloodadvances.2021006944.

https://ashpublications.org/bloodadvances/article/doi/10.1182/bloodadvances.2021006944/485206/Impaired-exercise-capacity-in-post-COVID-syndrome

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