Geringerer Impferfolg bei Patientinnen/Patienten mit immunvermittelten Erkrankungen: Krankheits- oder therapiebedingt?

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Einer aktuellen Studie zufolge mindern immunvermittelte Erkrankungen den Impferfolg, und zwar therapieunabhängig. Allerdings umfasste die Kohorte keine Patientinnen/Patienten, die mit Rituximab behandelt worden waren. Eine weitere Erhebung an Patientinnen/Patienten mit rheumatischen Grunderkrankungen zeigte, dass zumindest dieses Medikament Einfluss nehmen kann: Eine verminderte Immunantwort trat nur unter B-Zell-depletierender Therapie auf.

Eine dritte Studie identifizierte noch weitere Risikofaktoren für ein schlechteres Impfansprechen: Einen großen Bauchumfang, Rauchen und Bluthochdruck.

Eine aktuelle Studie [1] untersuchte die Immunantwort nach Impfung gegen SARS-CoV-2 bei 84 Patientinnen und Patienten mit immunvermittelten Erkrankungen („immune-mediated inflammatory diseases“ – IMID) und 182 Kontrollpatientinnen/-patienten. Während alle Geimpften der Kontrollgruppe Anti-SARS-CoV-2 IgG entwickelten, wurde bei fünf IMID-Patientinnen/-Patienten keine Immunantwort beobachtet. Die Rate der Impfversager wurde mit 1/10 unter den vorerkrankten Menschen und mit 1/100 unter den gesunden Kontrollpatientinnen/-patienten berechnet. Bei immunvermittelten Erkrankungen zeigte sich eine verspätete und geringere Antikörperantwort. Die Autoren beobachteten dabei keinen Einfluss krankheitsmodifizierender Therapien. Ihre Schlussfolgerung lautet daher, dass die reduzierte Immunantwort durch die Erkrankung und weniger durch die Therapie bedingt sei. Allerdings umfasste die Kohorte keine Patientinnen/Patienten, die mit Rituximab behandelt worden waren.

Das ist insofern bedeutsam, da eine zweite Arbeit [2] eine verminderte Immunantwort nur unter B-Zell-depletierender Therapie beobachtete. Untersucht wurde die Impfantwort bei 83 Patientinnen/Patienten mit rheumatischen Grunderkrankungen, 30 (34%) waren mit Rituximab behandelt worden. Bei diesen entwickelte sich die serologische Immunantwort signifikant später und alle 21 Patientinnen/Patienten, die keine Impfantwort entwickelten, waren B-Zell-depletiert (20 von ihnen waren mit Rituximab behandelt worden, ein Patient mit Belimumab). Insofern scheint zumindest diese Therapie Einfluss auf den Impferfolg zu nehmen.

Eine weitere Studie [3] analysierte das Impfansprechen bei 86 Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter im Gesundheitssystem. Wie sich zeigte, korrelierten niedrigere Antikörpertiter mit größerem Bauchumfang, erhöhten Blutdruckwerten und Rauchen, und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht und BMI.

[1] Simon D, Tascilar K, Fagni F et al. SARS-CoV-2 vaccination responses in untreated, conventionally treated and anticytokine-treated patients with immune-mediated inflammatory diseases. Ann Rheum Dis. Published online 2021 May 5.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8103562/

[2] Spiera R,  Jinich S, Jannat-Khah D. Rituximab, but not other antirheumatic therapies, is associated with impaired serological response to SARS- CoV-2 vaccination in patients with rheumatic diseases. Ann Rheum Dis 2021;0:1–3.

https://ard.bmj.com/content/annrheumdis/early/2021/05/10/annrheumdis-2021-220604.full.pdf

[3] Watanabe M, Balena A, Tuccinardi D et al. Central obesity, smoking habit and hypertension are associated with a blunted serological response to COVID-19 mRNA vaccine. medRxiv.

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.04.13.21255402v1