Generalisierter Myoklonus bei SARS-CoV-2-Infektion

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Im Rahmen anderer Virusinfektionen sind generalisierte Myoklonien beschrieben, bei SARS-CoV-2 jedoch bislang nicht. Eine Fallserie aus Madrid berichtet nun von drei COVID-19-Patienten im Alter von 63-88 Jahren von generalisierten Myoklonien als dominierendem bzw. klinisch komplizierendem Symptom der Erkrankung.

Alle drei Patienten (zwei davon männlich) hatten mehrere Tage vor der stationären Aufnahme bereits eine Anosmie und Fieber, zwei litten an Kurzatmigkeit. Die klinische Vorstellung erfolgte wegen relativ akut einsetzender, generalisierter Myoklonien und verstärkter Müdigkeit bzw. Hypersomnie. Die Myoklonien zeigten stereotype Kontraktionsmuster mit dominierender Beteiligung der nasopharyngealen Muskulatur, von Gesicht und Extremitäten. Die spontanen, ruckartigen Bewegungen nahmen bei auditiven und taktilen Reizen zu mit überschießender Startle-Reaktion. Es fanden sich jedoch keine motorischen oder sensiblen Defizite und ein unauffälliger Reflexstatus. Vorerkrankungen waren bei zwei Patienten bekannt: einmal eine generalisierte Angststörung und bei einem Kranken die Kombination von Hypertonie, Schilddrüsenunterfunktion und milder kognitiver Dysfunktion. Rachenabstriche erfolgten aufgrund mangelnder Testkapazitäten nicht, alle Patienten hatten aber röntgenologisch eine SARS-CoV-2-typische Pneumonien. In EEG und MRT ergaben sich keine Erklärungen für die Symptomatik. Nach Aufnahme kam es bei einem Patienten zu einem „myoklonischen Sturm“, weshalb er intubiert werden musste. Beim Reduzieren der Propofol-Sedierung setzte die Symptomatik erneut ein, auch nach Methylprednisolon (1000 mg/24 h über fünf Tage), so dass schließlich mit einer Plasmapherese begonnen wurde, worauf der Patient im Verlauf extubiert werden konnte. Die beiden anderen Patienten erhielten Methylprednisolon-Pulstherapien (250 mg/24 h für drei Tage), worunter sich die Symptomatik zumindest teilweise besserte.

Obwohl nach Ansicht der Autoren eine Transmission des SARS-CoV-2 via Bulbus olfactorius in das Gehirn nicht ausgeschlossen ist, bewerten sie den generalisierten Myoklonus bei ihren Patienten eher als postinfektiöse, immunvermittelte Störung nach der initialen Entzündungsphase einer SARS-CoV-2-Infektion.

Rábano-Suárez P, Bermejo-Guerrero L, Méndez-Guerrero A et al. Generalized Myoclonus in COVID-19. Neurology 2020 May 21; DOI: https://n.neurology.org/content/neurology/early/2020/05/20/WNL.0000000000009829.full.pdf