Führt COVID-19 auch zu Langzeitschäden am Myokard?

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Eine am Dienstag in „Circulation” publizierte Arbeit zeigte anhand von Bildgebungsdaten, dass Patienten nach einer COVID-19-Erkrankung möglicherweise irreversible Myokardschädigungen aufweisen, und zwar nicht nur diejenigen, die im Verlauf der Infektionserkrankung ein akutes Koronarsyndrom oder eine Lungenembolie erlitten hatten.

Es ist bekannt, dass hospitalisierte COVID-19-Patienten häufig Myokardschädigungen mit Troponinerhöhung aufweisen, aber die Genese ist weitgehend unbekannt. In dieser Single-Center-Studie aus London wurden alle COVID-19-Patienten bis zum 30. April nachverfolgt. Bei denjenigen, die bei Entlassung erhöhte Troponinwerte (hsTnT > 14 ng/l) aufwiesen, wurde eine kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie durchgeführt. Ausschlusskriterien waren ein akutes Koronarsyndrom, eine Lungenembolie, Alter ≥ 80 Jahre, Schwangerschaft oder eine schwere Nierenfunktionseinschränkung.

Im Ergebnis zeigte sich, dass 71% der 828 SARS-CoV-2-positiven Patienten ein erhöhtes Troponin T aufwiesen, was in dieser Auswertung auch mit einer höheren Krankenhaussterblichkeit verbunden war. Bei 51 Patienten wurde eine kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie durchgeführt, bei 22 wurden dabei Ursachen für die Troponinerhöhung identifiziert.

Die übrigen 29 Patienten mit ungeklärter Myokardschädigung, d.h. Troponinerhöhungen unklarer Genese, gingen in die Auswertung ein. Sie waren im Durchschnitt 64 ± 9 Jahre alt, 83% waren männlich. Die durchschnittliche Hospitalisierungsdauer hatte 9 Tage betragen und 34% (10 Patienten) waren intensivpflichtig gewesen und hatten maschinelle Atemunterstützung benötigt. In der Bildgebung wiesen 69% residuale Veränderungen des Lungenparenchyms auf, bei 14% wurde ein Pleuraerguss diagnostiziert, bei 7% ein Perikarderguss. Bei 69% der Patienten fanden sich Befunde einer Myokardschädigung, bei 17% (n= 5) mit Hinweisen auf eine Myokardischämie. Bei 38% (n= 11) bestand ein nicht-ischämisches Muster, bei 14% (n= 4) ein Mischbild. Ein Gadolinium-Enhancement ergab ein Myokarditis-ähnliches Muster bei 13 Patienten (45%). Bei 9 Patienten konnte keine Ursache gefunden werden. Myokardödeme waren in der Kohorte nicht nachweisbar, auch nicht bei den 45% der Patienten mit Myokarditis-ähnlicher Kontrastmittelaufnahme.

Zusammenfassend waren Myokardschädigungen bei genesenen COVID-19-Patienten häufig und sie waren bei Troponinerhöhung unklarer Genese mit Befunden in der Bildgebung assoziiert. Das Fehlen von Myokardödemen bei Patienten mit Myokarditis-ähnlicher LGE ließe, so die Autoren, darauf schließen, dass die Verletzungen des Myokards irreversibel sein könnten.

Knight DS, Kotecha T et al. COVID-19: Myocardial injury in survivors. Circulation. 2020. Published July 22. https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.049252.