Fazialisparesen in zeitlichem Zusammenhang mit der Gabe von mRNA-Vakzinen gegen SARS-CoV-2

© iStock/Inside Creative House 

In sehr seltenen Fällen wurden Fazialisparesen nach Gabe von mRNA-Vakzinen gegen SARS-CoV-2 beobachtet. Eine aktuelle israelische Fallserie zeigte, dass die Mehrheit der Betroffenen Vorerkrankungen hatte, die das Risiko für das Auftreten einer Fazialparese erhöhten. Ein kausaler Zusammenhang erscheint also eher unwahrscheinlich. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass auch die Infektion mit SARS-CoV-2 Fazialisparesen auslösen kann.

Grundsätzlich traten Gesichtslähmungen im zeitlichen Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Impfung bisher nur selten auf. In einer Phase-III-Studie mit dem BioNtech/Pfizer-Impfstoff wurden die Daten von knapp 38.000 Probanden einbezogen, die zwei Monate lang nachbeobachtet wurden: insgesamt gab es in diesem Zeitraum vier Fälle einer Fazialparese in der Gruppe der Geimpften (keinen Fall in der Placebogruppe), wie in einem Bericht der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zum Impfstoff nachzulesen ist [1]. In der Zwischenauswertung einer Studie mit über 30.000 Probanden zum Moderna-Impfstoff wurden vier Fälle dokumentiert, drei in der Impfgruppe, einer in der Placebogruppe [2].

In einer aktuellen Fallserie aus Israel [4] wurden neun Betroffene beschrieben, bei denen die Fazialisparese nach der Impfung mit dem BioNtech/Pfizer-Vakzin aufgetreten ist. Doch nur drei von ihnen hatten keinerlei Vorerkrankungen, vier litten an einem Bluthochdruck.  Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Auftreten von Fazialisparesen erscheint derzeit eher unwahrscheinlich.

Zudem darf nicht vergessen werden: Auch die Infektion mit SARS-CoV-2 kann Fazialisparesen auslösen. Eine italienische Studie [5] verglich die Häufigkeit des Auftretens von Gesichtslähmungen im Zeitraum zwischen dem 27. Februar und dem 3. Mai 2020 in einer Region in Norditalien, die zu der Zeit ein Corona-Hotspot war, mit der Rate des gleichen Zeitraums im Jahr 2019 und beobachtete einen über 60%igen Anstieg: 2019 gab es 22 Fälle, 2020 dann 38. In einer türkischen Studie [6] konnten bei 24,3% von insgesamt 41 während der Pandemie erkrankten Patientinnen und Patienten mit Fazialisparese Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut nachgewiesen werden. Bei einem Viertel aller Fälle wurde somit die Fazialisparese womöglich durch eine Coronavirus-Infektion ausgelöst. Bei allen Betroffenen war die Gesichtslähmung übrigens das einzige Symptom gewesen, sie hatten keine COVID-19-typischen Symptome entwickelt.

[1] https://www.fda.gov/media/144245/download (S. 38)

[2] https://www.fda.gov/media/144434/download (S. 6)

[3] Asaf Shemer MD, Eran Pras MD, and Idan Hecht MD. Peripheral Facial Nerve Palsy Following BNT162b2 (COVID-19) Vaccination. Israel Medical Association Journal, March 2021: 143 – 144

https://ima-files.s3.amazonaws.com/268773_455e40fd-d140-410f-b1e3-e640b3ee158d.pdf

[4] Marco A Lima, Marcus Tulius T Silva, Cristiane N Soares et al. Peripheral facial nerve palsy associated with COVID-19. J Neurovirol. 2020 Dec;26(6):941-944.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33006717/

[5] Yuce Islamoglu, Burak Celik, Muzaffer Kiris. Facial paralysis as the only symptom of COVID-19: A prospective study. Am J Otolaryngol. 2021 Feb 10;42(4):102956.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33592554/

Nach oben springen