Fazialisparese als einziges oder initiales COVID-19-Symptom

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Ein systematisches Review analysierte die bis Ende 2021 veröffentlichten Fälle COVID-19-assoziierter Fazialisparesen. Aus 32 Publikationen wurden 46 Betroffene eingeschlossen. Die klinische Präsentation, weitere Befunde, die Behandlungen sowie Prognose waren relativ variabel. In über 90% war die Fazialisparese unilateral, bei 37% war sie die initiale COVID-19-Manifestation, bei jedem fünften Betroffenen blieb sie auch das einzige Symptom. Bei ca. zwei Drittel der Fälle kam es zur kompletten Remission, meist unter Therapie mit Kortikoiden.

Die Häufigkeit der idiopathische Fazialisparese (FP) scheint im Verlauf der SARS-CoV-2-Pandemie zuzunehmen. Die Assoziation der FP mit viralen Infektionen sowie die neurotropen Eigenschaften von SARS-CoV-2 lassen diese Beobachtung plausibel erscheinen, so die Publizierenden. Im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion können verschiedene neurologische Manifestationen auftreten; die FP kann offensichtlich die einzige COVID-19-Manifestation sein. Das systematische Review [1] analysierte die von März 2020 bis Dezember 2021 veröffentlichten Fälle COVID-19-assoziierter Fazialisparesen.

Von 215 gefundenen Publikationen entsprachen 32 (46 Betroffene) den Einschlusskriterien (z. B. wurden Fazialisparesen bei Guillain-Barré-Syndrom ausgeschlossen). Männer und Frauen waren gleichermaßen betroffen, das mittlere Alter betrug 38,8 ± 21,9 Jahre (davon 7 Kinder). Die FP war bei 37% der Fälle (17/46) das initiale Symptom. Bei 63% (29/46) der Betroffenen entwickelte sich die FP 2-18 Tage nach Beginn der COVID-19-Symptome. Insgesamt blieben 19,6% (9/46) ansonsten ohne Infektsymptome; 80,4% (37/46) der Betroffenen hatten im Verlauf leichte Symptome (Husten, Fieber, Abgeschlagenheit, Myalgien und Anosmie). Die klinische Präsentation der FP war variabel; 6,5% (n=3) hatten eine bilaterale FP. Bei allen Patientinnen und Patienten lag ein nasopharyngealer SARS-CoV-2-Nachweis vor; die Liquorbefunde waren unauffällig. In der Regel erfolgte die Behandlung mit Kortikosteroiden als Mono- oder Kombinationstherapie. Insgesamt 71,7 % der Betroffenen (einschließlich aller Kinder) erholten sich vollständig; 21,7% zeigten nur eine partielle Remission der FP.

Trotz der relativ niedrigen dokumentierten Gesamtzahl zeige die Auswertung, dass die FP auch als einzige Manifestation einer COVID-19-Erkrankung auftreten kann, konstatiert das Autorenteam. Damit sei SARS-CoV-2 als mögliche Ursache einer FP zu berücksichtigen.

[1] Gupta S, Jawanda MK. Surge of Bell's Palsy in the era of COVID-19: Systematic review. Eur J Neurol 2022 Apr 28.doi: 10.1111/ene.15371. Online ahead of print.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ene.15371

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