Fatigue und neurokognitive Einschränkungen sind häufige Folgen der SARS-CoV2-Infektion, auch Monate nach der akuten COVID-19-Erkrankung

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Eine aktuelle Arbeit des Fatigue Centrums der Charité-Universitätsmedizin [1] zeigt, dass die Hälfte der untersuchten COVID-19-Patientinnen und -Patienten auch sechs Monate nach der Akuterkrankung noch an einem Fatigue-Syndrom leiden, was insofern beunruhigend ist, als es sich bei dieser Patientenkohorte um jüngere, zuvor gesunde Betroffene mit eher milden Verläufen handelte. Eine spanische Arbeitsgruppe beschreibt bei zuvor hospitalisierten COVID-19-Patienten in erheblichem Umfang neurokognitive Probleme zwei Monate nach Entlassung.

Eine aktuelle Arbeit des Fatigue Centrums der Charité-Universitätsmedizin [1] untersuchte die Häufigkeit des Fatigue-Syndroms sechs Monate nach einer COVID-19-Erkrankung. Die akute Krankheit war bei der Mehrheit der Studienteilnehmer mild verlaufen. Patientinnen und Patienten mit relevanten neurologischen oder kardiopulmonalen Vorerkrankungen waren nicht eingeschlossen worden. Insgesamt wurden 42 Betroffene untersucht, das mediane Alter betrug 36,5 Jahre, 29 waren weiblich, 13 männlich. Sechs Monate nach der akuten Viruserkrankung wiesen alle Patientinnen und Patienten eine Fatigue gemäß dem „Chalder Fatigue Score“ auf (der mediane Score lag bei 25 von 33 Punkten). 19/42 erfüllten die strengeren Kriterien der myalgische Enzephalomyelitis/des Chronischen Fatigue Syndroms der Kanadischen Consensus-Empfehlung. Die häufigsten klinischen Manifestationen waren Belastungsintoleranz (n=41), kognitive Einschränkungen (n=40), Kopfschmerzen (n=38) und Muskelschmerzen (n=35). Die Patienten, die die Kriterien der Kanadischen Consensus-Empfehlung erfüllten, erreichten höhere Werte im „Chalder Fatigue Score“, wiesen häufiger und länger eine Belastungsintoleranz auf und waren zudem häufiger auch licht-, geräusch- und temperaturempfindlich als die anderen Patienten. Die Autoren schlussfolgern, dass das Post-COVID-19-Syndrom sechs Monate nach Akuterkrankung eine häufige Erkrankung mit beeinträchtigenden Symptomen darstellt. Als mögliche Biomarker fanden sich ein Mangel an Mannose-bindendem Lectin (MBL) bei 22 % und eine Erhöhung von Interleukin 8 bei 43 % der Betroffenen.

Eine spanische Arbeit [2] untersuchte neurokognitive Einschränkungen, psychiatrische Gesundheit und Lebensqualität bei hospitalisierten COVID-19-Patienten zwei Monate nach Entlassung. Es handelt sich um die cross-sektionale Analyse einer prospektiven Studie. Von 229 gescreenten Patientinnen und Patienten wurden 179 in die Analyse eingeschlossen. Auch hier zeigte sich eine hohe Rate an COVID-19-Spätfolgen: 38% hatten eine eingeschränkte verbale Lern- und Merkfähigkeit, 11,8% eine verzögerte verbale Merkfähigkeit, 34,6% eine eingeschränkte verbale Flüssigkeit und 6,15% eine Funktionsstörung des Arbeitsgedächtnisses. 58,7% der Studienteilnehmer wiesen neurokognitive Einschränkungen in mindestens einem Funktionsbereich auf. Die Prävalenzraten für Angststörungen, Depression und posttraumatischer Stressbelastung lagen bei 29,6%, 26,8% und 25,1%. Die Lebensqualität war bei 44,1% der untersuchten Patientinnen und Patienten eingeschränkt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fatigue eine häufige COVID-19-Krankheitsfolge auch bei leichten Verläufen zu sein scheint. Nach schweren COVID-19-Verläufen kommt es zusätzlich zu neurokognitiven und psychiatrischen Problemen.

[1] Kedor C et al. 2021. Chronic COVID-19 Syndrome and Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) following the first pandemic wave in Germany: a first analysis of a prospective observational study. MedRxiv. doi: https://doi.org/10.1101/2021.02.06.21249256

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.02.06.21249256v1

[2] Raúl Méndez, Vicent Balanzá-Martínez, Sussy C Luperdi et al. Short-term Neuropsychiatric Outcomes and Quality of Life in COVID-19 Survivors. J Intern Med, 2021 Feb 3.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33533521

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