Fallbericht: MS-Patientin entwickelte nach Impfung mit AZ ein der Neuromyelitis-optica-Spektrumerkrankung (NMOSD) ähnliches Bild mit Erblindung und Paraplegie

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Eine 40-jährige Patientin, die seit 21 Jahren an einer schubförmig remittierenden MS (RRMS) litt, entwickelte zwei Wochen nach Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin ein der Neuromyelitis optica-Spektrumerkrankung (NMOSD) ähnliches Bild, welches nach Ansicht der Autoren mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Impfung ausgelöst wurde. Sie sprechen sich dafür aus, bei Patientinnen/Patienten mit RRMS keine vektorbasierten Impfstoffe anzuwenden.

Die Patientin wurde bei stabilem Krankheitsverlauf acht Tage nach Gabe von Natalizumab mit dem vektorbasierten Impfstoff von AstraZeneca geimpft. Zwei Wochen nach der Vakzinierung kam es zu Sehstörungen, 48 Stunden später zu einem binokularen Visusverlust. Zwei Tage nach Erblindung kamen Rückenschmerzen, Lähmungen und Taubheitsgefühl in den Beinen hinzu. Am Tag 3 nach Symptombeginn war die Patientin vollständig erblindet und die Parese hatte sich zu einer Paraplegie entwickelt. MR-tomographisch wurden eine longitudinale thorakale Myelitis und eine Affektion des Chiasmas nachgewiesen.

Zur Therapie wurden Kortikoide, Immunadsorption und Plasmapherese eingesetzt, was die Visusminderung etwas verbesserte, eine vollständige Querschnittlähmung ab Th 5 blieb jedoch bestehen.

Es gab keinen Hinweis auf eine vorbestehende, unerkannte NMOSD. Transverse Myelitiden (TM) sind im Kontext von SARS-CoV-2 beschrieben, die Patientin war aber negativ getestet worden, ebenso auf andere Virus- und bakterielle Erkrankungen, die eine solche Pathologie auslösen könnten. Auch Natalizumab als Auslöser sei unwahrscheinlich, da die Patientin bereits über zehn Jahre problemlos mit dem Antikörper behandelt worden war.

Für die Autoren stehen die Komplikationen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit der Impfung. Nach Vakzinierung mit dem AstraZeneca-Impfstoff seien drei Fälle einer TM berichtet worden, kein Fall nach Impfung mit mRNA-Impfstoffen. Es könne spekuliert werden, dass die intendierte B-Zellantwort auf den vektorbasierten Impfstoff womöglich den Krankheitsprozess angestoßen habe.

[1] Helmchen C, Buttler GM, Markewitz R et al. Acute bilateral optic/chiasm neuritis with longitudinal extensive transverse myelitis in longstanding stable multiple sclerosis following vector‑based vaccination against the SARS‑CoV‑2. Journal of Neurology 2021, June 15.

https://link.springer.com/article/10.1007/s00415-021-10647-x

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