Erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei akuter COVID-19-Erkrankung

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Im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion ist eine Myokardbeteiligung möglich, die sich unter anderem mit Rhythmusstörungen manifestieren kann. Tatsächlich haben mit COVID-19 hospitalisierte Menschen unabhängig von demographischen Faktoren und Begleiterkrankungen ein erhöhtes Risiko, während des Klinikaufenthaltes Vorhofflimmern zu bekommen. Das geht aus einer retrospektiven Kohortenstudie mit über 20.000 Patientinnen und Patienten des Massachusetts General Brigham Hospitals in Boston, USA, hervor.

Um ihre Annahme zu überprüfen, dass an COVID-19 Erkrankte gehäuft Vorhofflimmern entwickeln, haben Forscherinnen und Forscher aus Boston elektronische Akten der in ihrer Klinik hospitalisierten Patientinnen und Patienten ausgewertet [1]. Sie verglichen nach Alter, Geschlecht, Ethnie und verschiedenen Risikofaktoren für Vorhofflimmern gematchte Kohorten von 3.090 COVID-19-Positiven mit 11.004 COVID-19-Negativen, die zwischen dem 1.3.2020 und dem 28.2.2021 im Krankenhaus behandelt wurden. Da die während der Pandemie ins Krankenhaus aufgenommenen Menschen wahrscheinlich kranker waren als zu normalen Zeiten üblich, wurden außerdem 2.283 COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit 5.005 im Zeitraum vor der Pandemie hospitalisierten Menschen gematcht und verglichen.

Die Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern war bei COVID-19-Positiven gegenüber negativ Getesteten um 19% und gegenüber der Präpandemie-Kohorte um 57% erhöht. Die Sterberaten während des Klinikaufenthaltes lagen vor der Pandemie bei 1,5% gegenüber 7,1% in der Vergleichsgruppe von COVID-19-Betroffenen. Während der Pandemie starben 8,2 % der COVID-19-Positiven und 2,1 der COVID-19-Negativen im Laufe ihres Krankenhausaufenthaltes. Im Median blieben die Patientinnen und Patienten vor der Pandemie drei Tage im Krankenhaus, während COVID-19-Negative in der Pandemie vier Tage und COVID-19-Positive sechs Tage lang hospitalisiert waren.

Wer in der Vorgeschichte schon einmal Vorhofflimmern hatte, hatte bei COVID-19-Infektion ein mehr als achtfach erhöhtes Risiko im Vergleich zur Prä-COVID-19-Kohorte und ein fünffach erhöhtes Risiko gegenüber COVID-19-Negativen aus Pandemiezeiten. Ein höheres Alter erhöhte das Risiko um 6% und 5%, was ein ebenso signifikanter Risikofaktor war wie männliches Geschlecht. People of Color hatten gegenüber Weißen ein niedrigeres Risiko. Bei einigen bekannten Risikofaktoren für Vorhofflimmern – chronische Niereninsuffizienz, Mitralklappenvitien, kongestive Herzinsuffizienz, Herzinfarkt in der Vorgeschichte, Übergewicht und Bluthochdruck – ergaben sich in der Studie ebenfalls signifikante Unterschiede zwischen COVID-Betroffenen und den anderen Kohorten. Inwieweit neu aufgetretenes Vorhofflimmern zu Komplikationen und womöglich zu einem schlechteren Outcome insgesamt geführt hat, wurde in dieser Studie nicht analysiert. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, auch zur Klärung des Nutzens eines entsprechenden Screenings und etwaiger Behandlungen.

[1] Wollborn J, Karamnov S, Fields KG et al. COVID-19 increases the risk for the onset of atrial fibrillation in hospitalized patients. Sci Rep. 2022 Jul 14;12(1):12014.

https://www.nature.com/articles/s41598-022-16113-6

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