Erhöhtes Risiko für periphere Neuropathie nach SARS-CoV-2-Infektion

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Verglichen mit nicht Infizierten haben Menschen in den ersten drei Monaten nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion etwa dreimal so häufig Schmerzen der Extremitäten und Symptome einer peripheren Neuropathie. Das geht aus einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 1.556 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an einem US-amerikanischen Zentrum hervor [1].

Um Informationen zur Inzidenz und zum zeitlichen Verlauf postakuter peripherer Neuropathien und Schmerzen nach COVID-19 zu gewinnen, baten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Washington University School of Medicine in St. Louis 542 erwachsene SARS-CoV-2-positive und 1.014 Test-negative Kontrollpersonen, 30-90 Tage nach dem PCR-Test einen Internet-basierten Fragebogen auszufüllen [1]. Abgefragt wurden Schmerzen, sensible Symptome einer peripheren Neuropathie wie Parästhesien sowie Hirnnervensymptome wie Störungen von Geruchs- und Geschmackssinn, Hörvermögen, Sehen, Gleichgewicht oder Sprechvermögen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aufgefordert anzugeben, inwieweit sie entsprechende Symptome initial, 1-2 Wochen nach Krankheitsmanifestation beziehungsweise PCR-Test sowie zum Zeitpunkt der Befragung verspürten. 28,8% der Infizierten gegenüber 12,9% in der Kontrollgruppe hatten irgendwann innerhalb der Beobachtungszeit Symptome einer peripheren Neuropathie, bei 6,1% und 1,9% persistierten diese bis zu 90 Tage. Schmerzen der Extremitäten kamen bei 24,2% gegenüber 9,8% vor. Offensichtlich handelt es sich um eine unabhängige Assoziation. Denn auch nach Berücksichtigung demografischer Faktoren, vorbestehender chronischer Schmerzen oder einer Neuropathie-Anamnese betrug das Risiko für Symptome einer peripheren Neuropathie nach SARS-CoV-2-Infektion das 3,19-Fache des Risikos Nicht-Infizierter. Unter den Patientinnen und Patienten mit entsprechender Vorgeschichte gaben Infizierte deutlich häufiger eine Symptomverschlechterung an. Die Scores in den Neuropathie-Fragebögen DN4 und NPSI wiesen überwiegend auf milde Neuropathie-Symptome hin.

Zu den Limitationen der Studie zählt unter anderem die mit 16% niedrige Teilnahmerate, die auf einen Selektionsbias hindeuten kann. Klinisch-neurologische Untersuchungen erfolgten nicht. Die Ergebnisse legen aber nahe, dass es sinnvoll ist, nach SARS-CoV-2-Infektion auf Hinweise einer peripheren Nervenbeteiligung zu achten.

[1] Odozor CU, Kannampallil T, Ben Abdallah A et al. Post-acute sensory neurological sequelae in patients with SARS-CoV-2 infection: the COVID-PN observational cohort study. Pain. 2022 Mar 24.

https://journals.lww.com/pain/Abstract/9900/Post_acute_sensory_neurological_sequelae_in.32.aspx

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