Erhöhte Krankenhaussterblichkeit bei Neuro-COVID

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Zwei internationale Konsortien fanden bei 82% von insgesamt 3.743 weltweit hospitalisierten COVID-19-Patientinnen/-Patienten neurologische Manifestationen. Die Krankenhaussterblichkeit dieser Patienten war sechsfach höher als bei COVID-19-Erkrankten ohne neurologische Beteiligung.

Zwei internationale Konsortien, die Global Consortium Study of Neurologic Dysfunction in COVID-19 (GCS-NeuroCOVID) und das European Academy of Neurology (EAN) Neuro-COVID-Registry (ENERGY), haben ihre zwischen März und September beziehungsweise Oktober 2020 erhobenen Daten zu neurologischen Manifestationen der Erkrankung aus drei Patientenkohorten zusammengetragen und verglichen [1]. Insgesamt wurden Daten an 28 Zentren in dreizehn Ländern auf vier Kontinenten erhoben. Nach Angaben der Autoren handelt es sich um die bisher größte Studie zu Neuro-COVID-Manifestationen in verschiedenen Kohorten aus unterschiedlichen Erdregionen.

In der „GCS-NeuroCOVID“-Kohorte wurden 3.055 konsekutive COVID-19-Patienten/-Patientinnen mit oder ohne neurologische Manifestation erfasst; neurologische Manifestationen lagen bei 475 Patientinnen/Patienten vor. ENERGY schloss COVID-19-Patienten/-Patientinnen ein, die konsiliarisch neurologisch untersucht worden waren.  82% der insgesamt 3.743 Patientinnen/Patienten hatten neurologische Symptome. Der Männeranteil betrug 57% und 62%. Das Durchschnittsalter reichte von knapp 60 bis nahezu 63 Jahren.

Die Betroffenen selbst berichteten mit 37% und 26% am häufigsten über Kopfschmerzen sowie einen Geruchs- und Geschmacksverlust. Klinisch fassbare Befunde hatten insgesamt 55% der Patienten. Am häufigsten waren eine Enzephalopathie bei 49%, eine Bewußtseinsstörung bis zum Koma bei 17% und zerebrovaskuläre Komplikationen bei 6%. Meningitis und Enzephalitis waren mit 0,5% selten, ebenso Myelopathien.

Patienten mit klinisch erfassten neurologischen Manifestationen hatten ein um das Sechsfache erhöhtes Risiko, während des Klinikaufenthaltes zu sterben. Als besonders kritisch erwiesen sich abnorme Hirnstamm-Reflexe mit einer 24-fach erhöhten Sterbewahrscheinlichkeit, ein Koma mit über 7-fachem Risiko und Enzephalopathien mit mehr als 5-fach erhöhtem Risiko. Die unterschiedlichen Eingangskriterien führten teilweise zu unterschiedlichen Inzidenzen in den jeweiligen Kohorten. So lag beispielsweise die Inzidenz von Schlaganfällen zwischen 3% und 19%. Vorbestehende neurologische Erkrankungen verdreifachten das Risiko für neurologische COVID-19-Manifestationen.

[1] Chou SH, Beghi E, Helbok R et al.: Global Incidence of Neurological Manifestations Among Patients Hospitalized With COVID-19 – A Report for the GCS-NeuroCOVID Consortium and the ENERGY Consortium. JAMA Netw Open. 2021 May 11;4(5):e2112131.

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2779759

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