Erhöhte Diabetes-Inzidenz nach COVID-19

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Eine retrospektive Kohortenstudie untersuchte das Risiko des Neuauftretens eines Typ-2-Diabetes nach COVID-19-Infektion (n=35.865) im Vergleich zu anderen viralen Atemwegsinfektionen (Propensity Score Matching). 1.171 Praxen in Deutschland nahmen an der Erhebung teil. Es zeigte sich eine erhöhte Diabetes-Neuerkrankungsrate nach COVID-19 (Inzidenzrate 1,28).

Ziel der retrospektiven Kohortenstudie war, die Diabetes-Inzidenz nach SARS-CoV-2-Infektionen zu untersuchen. Personen mit durch andere Viren bedingten, akuten Infektionen der oberen Atemwege („acute upper respiratory tract infections“/AURI) dienten als Kontrollgruppe. Die retrospektive Kohortenanalyse umfasste eine repräsentative Gruppe von 1.171 niedergelassene Ärztinnen und Ärzten in Deutschland und 8,8 Millionen Patientinnen und Patienten (März 2020 bis Januar 2021). Ein neu diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 2 wurde gemäß der ICD-10-Klassifikation diagnostiziert, das Follow-up betrug im Median 119 Tage für COVID-19 und 161 Tage für AURI. Die paarweise Gruppenzuordnung („Propensity Score Matching“) erfolgte nach Geschlecht, Alter, COVID-19- bzw. AURI-Index-Monat und Komorbiditäten (Adipositas, Hypertonie, Hyperlipidämie, Myokardinfarkt, Schlaganfall). Erkrankte, die innerhalb von 30 Tagen nach der Indexerkrankung mit Kortikosteroiden behandelt wurden, waren von der Analyse ausgeschlossen.

Im Studienzeitraum wurden insgesamt 35.865 Personen mit dokumentierter COVID-19-Infektion mit AURI-erkrankten Kontrollen gematcht; die demografischen und klinischen Charakteristika der beiden Gruppen waren vergleichbar (mittleres Alter 43 Jahre, 46% weiblich). Im Ergebnis hatten COVID-19-Erkrankte gegenüber den AURI-Betroffenen ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln (Inzidenz der Neuerkrankungen 15,8 versus 12,3 pro 1.000 Personenjahre). Statistisch errechnete sich eine IRR („Incidence Rate Ratio“) für einen Typ-2-Diabetes von 1,28. Die IRR für andere Diabetesformen war nicht erhöht.

Die Publizierenden konstatieren, dass diese Ergebnisse, wenn sie sich bestätigen, eine aktive Überwachung zur Erkennung einer Glukosedysregulation nach Genesung auch von leichten COVID-19-Verläufen sinnvoll erscheinen lassen.

[1] Rathmann W, Kuss O, Kostev K. Incidence of newly diagnosed diabetes after Covid-19. Diabetologia 2022 Mar 16: 1-6.

https://link.springer.com/article/10.1007/s00125-022-05670-0

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