Erhebung aus Deutschland zur Versorgungssituation von Menschen mit M. Parkinson während der Pandemie

© iStock/Halfpoint

Die Fragebogenstudie „Care4PD“ erfasste deutschlandweit die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit Parkinson. 1.269 Fragebögen wurden insgesamt ausgewertet. Interessantes und beruhigendes Ergebnis: Der Einfluss der Pandemie auf die medizinische Versorgung und das tägliche Leben wurde von den Betroffenen allgemein als moderat eingestuft.

Die „Care4PD“-Studie erfasste deutschlandweit die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit Parkinson. Betroffene und deren Angehörige wurden gebeten, an der Fragebogenstudie teilzunehmen, die insbesondere Angaben zur pflegerischen Versorgungssituation und möglichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie erfasst. Im ersten Teil der Studie wurden Betroffene befragt. In einem zweiten Schritt sollen bundesweit Pflegende in ambulanten und stationären Einrichtungen teilnehmen, um auch deren Sicht auf die Versorgungslage zu ermitteln. Die Ergebnisse des ersten Teils der Studie wurde nun publiziert.

Insgesamt wurden 25.000 Fragebögen über die Deutsche Parkinsonvereinigung (dPV) und Direktversand an ambulante und klinische Parkinson-Einrichtungen versandt. 1.437 kamen ausgefüllt zurück, was einer Rücklaufrate von 5,7% entspricht. 1.269 der Fragebögen konnten ausgewertet werden und gingen in die Analyse ein.

269 (21%) der Einreichenden befanden sich in Langzeitbetreuung („long term care“/p-LTC), 62,1% waren ambulant, 26% waren in einer Pflegeeinrichtung, 11,9% hatten eine 24h-Betreuung. Die p-LTC-Gruppe war älter, vornehmlich weiblich, hatte höhere Werte auf der Hoehn-und-Yahr-Skala und musste im Verlauf der Pandemie häufiger hospitalisiert werden. Der weitaus größere Anteil der Studienteilnehmenden (79%) gab an, keine Langzeitbetreuung in Anspruch zu nehmen, allerdings hatten 44% eine Pflegegrad-Einstufung.

Insgesamt kam die Erhebung zu dem Ergebnis, dass die COVID-19-Pandemie nur zu einer milden Zunahme der Parkinson-Symptome führte und sich die Betroffenen nur in wenigen Pandemiephasen weniger gut versorgt fühlten. Auch der Einfluss der Pandemie auf das tägliche Leben wurde allgemein als moderat eingestuft. Als wesentliche Einschränkungen wurden die Restriktionen im Hinblick auf soziale und Familienkontakte empfunden, weniger im Bereich der medizinischen Versorgung.

In der Studiengruppe, die keine Langzeitbetreuung benötigte, gaben 27,8% an, keinerlei Einschränkungen in der Versorgung erfahren zu haben. In der Gruppe mit Langzeitbetroffenen waren dies hingegen nur 14,9%. Auch der Zugang zu Spezialisten und Therapeuten war bei ambulant versorgten Patientinnen und Patienten nicht relevant beeinträchtigt. Telemedizinische Möglichkeiten, obwohl verfügbar, wurden interessanterweise nicht in einem relevanten Maße genutzt.  

Das Autorenteam kommt zu dem Schluss, dass die ambulante Versorgung eine „stabile Säule“ in der Pandemie darstellte und zukünftig vor allem Patientinnen und Patienten in einer Langzeitversorgung im Fokus von Optimierungsbemühungen stehen sollten.

[1] Fründt O, Hanff AM, Mai T et al. Impact of COVID-19 Pandemic on (Health) Care Situation of People with Parkinson’s Disease in Germany (Care4PD). Brain Sci. 2022, 12(1), 62.

https://www.mdpi.com/2076-3425/12/1/62

Nach oben springen