Epileptische Anfälle als COVID-19-Manifestation und -Langzeitkomplikation

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Zwei Fallberichte zu COVID-19-assoziierten epileptischen Anfällen zeigen die unterschiedlichen Möglichkeiten solcher Komplikationen. Das Auftreten eines Status epilepticus (mit positiver Virus-PCR im Liquor) im Rahmen einer ansonsten symptomlosen SARS-CoV-2-Infektion zeigt, dass die Diagnose zügig gestellt werden muss, um eine adäquate Therapie zu beginnen. Eine weitere Kasuistik diskutiert eine mehrere Wochen post-COVID-19 neu aufgetretene fokale Epilepsie als potenzielle Langzeitfolge.

Ein Fallbericht [1] beschreibt einen 73-jährigen Mann mit Schlaganfallanamnese (und leichter Hemiparese), der erstmals zwei tonisch-klonische Anfälle erlitt (mit fokal-motorischem Beginn), die zunächst unter Levetiracetam und Valproat sistierten, dann aber in einen therapieresistenten nonkonvulsiven Status epilepticus übergingen. Das MRT zeigte keine neuen Läsionen, im Liquor wurde neben einer Proteinerhöhung jedoch mittels PCR SARS-CoV-2 nachgewiesen, ebenso im Rachenabstrich. Meningitische Zeichen, Fieber oder Atemwegssymptome bestanden nicht. Der Patient musste intubiert und beatmet werden, er erhielt Phenobarbital und Midazolam, außerdem nach dem PCR-Befund intravenöse Immunglobuline, Dexamethason und Remdesivir. Im Verlauf von einer Woche begann die partielle Erholung des Patienten.

Die Autoren sind der Ansicht, dass während der Pandemie bei einem Status epilepticus oder anderen schweren neurologischen Symptomen auch an eine SARS-CoV-2-Infektion gedacht und im Zweifel eine Immuntherapie begonnen werden sollte, da es schnell zu aggressiven, lebensbedrohlichen Situationen kommen könne.

Ein zweiter Fallbericht [2] beschreibt eine 54-jährige, zuvor gesunde Frau, die zwei Monate nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion eine fokale Epilepsie entwickelte. Ihre COVID-19-Symptome waren Fieber, Anosmie/Ageusie, Schnupfen, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, Muskelschmerzen, Durchfall. Die Genesung verlief stark protrahiert, es kamen Kopfschmerzen und eine Gangunsicherheit hinzu. Schließlich erlitt sie täglich bis zu acht epileptische Anfälle mit minutenlangen olfaktorischen Halluzinationen und Bewusstseinsstörung. Das EEG zeigte fronto-temporal fokal verlangsamte Aktivität beidseitig. Der Liquor enthielt keine spezifischen Auffälligkeiten, das MRT nur minimale, unspezifische Befunde. Unter Carbamazepin normalisierte sich das EEG und die olfaktorischen Halluzinationen sistierten, es kam noch zweimal wöchentlich zu brennenden Missempfindungen in der Nase. Die Anosmie persistierte.

Die Autoren interpretieren die Epilepsie insbesondere im Hinblick auf die olfaktorische Symptomatik als mögliche langfristige SARS-CoV-2-Komplikation, die anders als epileptische Anfälle in der akuten COVID-19-Phase bislang so nicht beschrieben wurde. Sie gehen davon aus, dass es künftig zunehmend neurologische Langzeit-Folgen bei genesenen Patienten geben wird.

[1] Karvigh SA, Vahabizad F, Mirhadi MS et al. COVID-19-related refractory status epilepticus with the presence of SARS-CoV-2 (RNA) in the CSF: a case report. Neurol Sci 2021 Apr 15; 1-4.

https://europepmc.org/article/MED/33860395

 [2] Bozzali M, Grassini A, Morana G et al. Focal seizures with impaired awareness as long-term neurological complication of COVID-19: a case report. Neurol Sci 2021 Apr 16; 1-5

https://link.springer.com/article/10.1007/s10072-021-05233-y