Enzephalitis bei COVID-19: Selten, aber mit hoher Sterblichkeit verbunden

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Enzephalitiden kommen vergleichsweise selten als Komplikation bei COVID-19 vor, sind dann aber mit einer relevanten Morbidität und Mortalität verbunden. Die durchschnittliche Inzidenz, die Forscher aus Singapur und dem Vereinigten Königreich anhand eines systematischen Reviews mit Metaanalyse [1] aus Daten von fast 130.000 COVID-19-Patientinnen/-Patienten ermittelt haben, lag bei 0,215%. Bei schwerkranken COVID-19-Patientinnen/-Patienten war sie mit 6,7% deutlich höher.

Als schwerkrank wurden Patienten gewertet, die auf Intensiv- oder Überwachungsstationen behandelt werden mussten. Dies betraf rund 84% der insgesamt 138 Patienten/Patientinnen mit infektiöser oder autoimmuner COVID-19-assoziierter Enzephalitis aus insgesamt 23 Studien, die die Mediziner/Medizinerinnen nach ihrer Literaturrecherche letztlich ausgewertet haben [1]. Eingeschlossen wurden nur Patienten mit radiologischen und biochemischen Befunden für eine Enzephalitis.

Die durchschnittliche Mortalitätsrate bei COVID-19 mit Enzephalitis war mit 13,4% fast viermal so hoch wie die von sonstigen COVID-19-Patienten mit 3,4%. Die Autoren/Autorinnen raten zu einem gezielten Monitoring schwerkranker Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion im Hinblick auf mögliche Zeichen einer Enzephalitis. Dazu gehören ein veränderter Bewusstseinszustand, fokalneurologische Zeichen und Krampfanfälle.

Dreiviertel der Patientinnen/Patienten hatten typische COVID-19-Symptome wie Atemnot, Fieber, Husten oder Fatigue, 24% hatten keine COVID-19-Symptome. In den acht Studien, in denen auch Enzephalitis-Symptome berücksichtigt wurden, lag mindestens ein Symptom bei allen Betroffenen vor: So zeigten 77% eine Bewusstseinsminderung, 72% eine Verwirrtheit und 38% Krampfanfälle. Seltener waren Aphasie, Ataxie und Myoklonien. Im Durchschnitt traten die Enzephalitis-Symptome 14,5 Tage nach COVID-19-Diagnose auf.

Im Labor fielen unter anderem erhöhte Entzündungswerte im Blut mit einem durchschnittlichen CRP-Wert von 59 mg/l und eine Pleozytose im Liquor mit durchschnittlich 329/µl Erythrozyten und 15/µl Leukozyten auf. Darüber hinaus waren bei der Blutuntersuchung oft D-Dimere und LDH erhöht und im Liquor Glukose und Eiweiß. Angaben zu oligoklonalen Banden enthielten nur vier Studien: Nur bei einem von neun Patienten waren sie nachweisbar.

Die COVID-19-Patienten/-Patientinnen mit Enzephalitis waren durchschnittlich 59 Jahre alt und zu 49% männlich. Besonders gefährdet waren Menschen mit Komorbiditäten. So hatten 72 % der Betroffenen mindestens eine Begleiterkrankung. Am häufigsten waren dies Bluthochdruck bei 46%, eine Hyperlipidämie bei 24% und ein Diabetes mellitus bei 16%.

[1] Siow I, Lee KS, Zhang JJY et al.: Encephalitis as Neurological Complication of COVID-19: A Systematic Review and Meta Analysis of Incidence, Outcomes and Predictors. Eur J Neurol. 2021 May 13.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ene.14913

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