Endovaskuläre Versorgung von Schlaganfallpatienten erfolgte während der ersten SARS-CoV-2-Pandemiewelle ohne Einbußen

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Eine in „Neurological Research and Practice“, dem englischsprachigen Open-Access-Journal der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), publizierte Studie zeigte, dass die endovaskuläre Versorgung von Schlaganfallpatienten während der ersten Welle der SARS-CoV-2-Pandemie ohne Einbußen erfolgte: Weder war die Zahl der thrombektomierten Patientinnen und Patienten niedriger, auch die Behandlungsergebnisse waren nicht schlechter. Das illustriert die hohe neurologische Versorgungsqualität in Deutschland, auch unter Pandemiebedingungen.

Die aktuell publizierte Studie wertete Daten aus dem Deutschen Thrombektomieregister (German Stroke Registry, GSR) unter dem Gesichtspunkt aus, ob die SARS-CoV-2-Pandemie im Frühling die Versorgung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten beeinträchtigt hat. Analysiert wurde, wie viele Patientinnen und Patienten während der ersten Pandemiewelle vom 1. März bis zum 31. Mai 2020 sowie im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor thrombektomiert wurden. Im Ergebnis zeigte sich, dass es hinsichtlich der Anzahl der Betroffenen, die diese Therapie erhalten hatten, keinen Unterschied zwischen den Jahren gab (n=795), auch das funktionelle Outcome nach dem Schlaganfall war in etwa vergleichbar. Die Patientinnen und Patienten von 2019 und 2020 unterschieden sich dabei nicht im Hinblick auf Alter, Geschlechtsverteilung, Anzahl der Komorbiditäten oder NIH-Schlaganfall-Score.

Dennoch gab es Unterschiede im Vergleich zum Vorjahr: So war die Gesamtzahl der wegen ischämischen Schlaganfall oder TIA behandelten Patienten zurückgegangen. „Im Frühjahr wurde deutlich, dass weniger Menschen die Notaufnahmen aufsuchten. Die DGN hat sich frühzeitig an die Öffentlichkeit gewandt und gemahnt, Schlaganfallsymptome nicht zu ignorieren und das enge Behandlungsfenster nicht zu versäumen. Möglicherweise ist aber genau das passiert. Im Verhältnis zur Zahl der Betroffenen wurde 2020 mehr thrombektomiert, was dafür sprechen könnte, dass einige der Patienten vielleicht nicht mehr einer Lysetherapie innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Einsetzen der Symptome zugeführt werden konnten“, so die Einschätzung des Korrespondenzautors, Prof. Dr. Gabor C. Petzold, Bonn. „Andererseits könnte das aber auch Folge der steigenden Thrombektomiezahlen in Deutschland sein.“

Interessant ist auch die Analyse der Zeit, die zwischen Aufnahme und Therapiebeginn verstrich: Bei Patienten, die direkt in einem Schlaganfallzentrum mit Möglichkeit zur endovaskulären Thrombektomie vorgestellt wurden, gab es keinen Unterschied zwischen 2019 und 2020. Bei Patienten, die von einer Stroke Unit in ein Zentrum mit interventioneller Neuroradiologie überwiesen wurden, verstrich 2020 mehr Zeit zwischen Aufnahme und Leistenpunktion als 2019 (47 Minuten vs. 38 Minuten, p=0,005). Die Hypothese der Autoren lautet, dass die Verzögerung möglicherweise durch Unsicherheiten bezüglich des SARS-CoV-2-Status der Patientinnen und Patienten erklärbar sei. Zwar waren lediglich drei der thrombektomierten Patienten SARS-CoV-2-positiv, allerdings waren Routinetestungen in vielen Kliniken zum damaligen Zeitpunkt noch nicht üblich, so dass möglicherweise eine höhere Dunkelziffer anzunehmen ist.

Ein weiteres bemerkenswertes Detail: 2020 zeichnete sich bei den Patienten, die von einem Zentrum in ein anderes transferiert wurden, ein Trend zu einer höheren Rate an Thrombolysen mit Alteplase vor Thrombektomie ab. „Möglicherweise hat man versucht, die interventionelle Therapie noch abzuwenden, um Kapazitäten für COVID-19-Patienten freizuhalten, möglicherweise hat das aber auch gar nicht mit der Pandemie zu tun, sondern spricht dafür, dass sich die Kombinationstherapie zunehmend durchsetzt“.

Steffen Tiedt, Felix J. Bode, Timo Uphaus, Anna Alegiani, Klaus Gröschel, Gabor C. Petzold & for the GSR-ET investigators. Impact of the COVID-19-pandemic on thrombectomy services in Germany. Neurological Research and Practice 2020. Published23 November 2020.

https://neurolrespract.biomedcentral.com/articles/10.1186/s42466-020-00090-0