Endotheliopathie und Störungen der vWF-ADAMTS-13-Achse persistieren in Konvaleszenzphase

© iStock/cihatatceken

Blutuntersuchungen aus Irland frühestens sechs Wochen nach akuter COVID-19-Erkrankung liefern Hinweise darauf, dass womöglich eine immunvermittelte Gerinnungsaktivierung und Endotheliopathie auch bei Long-COVID-19 noch eine Rolle spielen könnten [1]. Darauf deuten eine anhaltende Aktivierung von Endothelzellen, eine Dysregulation der Angiogenese und Störungen in der von-Willebrandt-Faktor (vWF)/ A disintegrin and metalloproteinase with a thrombospondin type 1 motif, member 13 (ADAMTS-13)-Achse hin.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Dublin haben bei 50 Personen nach COVID-19 sowie 20 gesunden Kontrollen und 36 akut an COVID-19 Erkrankten Gerinnungs- und Angiogenesemarker und assoziierte Immunphänomene im Blut untersucht [1]. 74% der an COVID-19 Erkrankten waren stationär behandelt worden und hatten eine Thromboembolieprophylaxe mit niedermolekularem Heparin erhalten. 62% hatten Begleiterkrankungen.

Ähnlich wie in vorangegangenen Studien wurden bei COVID-19-Konvaleszenten signifikant reduzierte ADAMTS-13-Spiegel und eine Erhöhung der vWF/ADAMTS-13-Ratio beobachtet. Im Krankenhaus behandelte COVID-19-Patientinnen und -Patienten wiesen besonders niedrige ADAMTS-13-Spiegel auf. Die vWF/ADAMTS-13-Ratio war im Vergleich zur Kontrollgruppe auf mehr als das Zehnfache erhöht. 70% der Konvaleszenten hatten noch Werte oberhalb des Normbereichs. Ebenfalls signifikant erhöht waren die Plättchenfaktor-4 (PF-4)-Spiegel. Bei 46% der Patientinnen und Patienten der COVID-19-Kohorte lagen sie >500ng/ml, ähnlich wie bei akuter Erkrankung. PF-4 kommt eine Schutzwirkung zu, es kann die Spaltung von ADAMTS-13 durch vWV regulieren.

Die Erhöhung von vWF-Antigen und -Propeptid sowie von Gerinnungsfaktor FVII:C spricht nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren für eine fortgesetzte Aktivierung von Endothelzellen und für eine Proteinfreisetzung aus Weibel-Palade-Körperchen. Das sind Zellorganellen in Endothelzellen, die vWF, aber auch pro-inflammatorische und pro-angiogenetische Proteine wie Angiopoietin-2 and Osteoprotegerin speichern. Diese waren in der Studie ebenfalls erhöht, wenn auch nicht signifikant. Insgesamt beobachteten die Forscherinnen und Forscher bei Konvaleszenten nach COVID-19 eine vermehrte Expression von 21 von 24 getesteten Angiogenese-assoziierten Proteinen.

Mittels Immunphänotypisierung von Blutzellen konnte darüber hinaus eine Vermehrung von Monozyten und aktivierten CD4- und CD8-positiven T-Zellen nachgewiesen werden. Diese korrelierten mit der Thrombinbildung beziehungsweise mit Markern einer Endotheliopathie. Womöglich spielen abnormale T-Zell- und Monozyten-Profile bei der anhaltenden Endothelzellaktivierung und Hämostase-Dysfunktion eine Rolle.

[1] Fogarty H, Ward SE, Townsend L et al. Sustained VWF-ADAMTS-13 axis imbalance and endotheliopathy in long COVID syndrome is related to immune dysfunction. J Thromb Haemost. 2022 Jul 25:10.1111/jth.15830.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jth.15830

Nach oben springen