Empfehlungen zur Impfung gegen SARS-CoV-2 für Menschen mit neuroimmunologischen Erkrankungen (jenseits MS)

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Das Deutsche Netzwerk zur Erforschung Autoimmuner Enzephalitiden (GENERATE e.V.), die Neuromyelitis optica Studiengruppe (NEMOS e.V.) und die klinischen Kommissionen Neuroimmunologie sowie Motoneuron- und neuromuskuläre Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie haben eine Stellungnahme [1] publiziert, da weiterhin große Unsicherheiten im Umgang mit Impfungen gegen SARS-CoV-2 bei Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen bestehen.

Die Expertengruppe gibt zusammenfassend folgende Empfehlungen:

  • Eine Drittimpfung kann vor einem schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion, unter anderem auch mit der Omikron-Variante, schützen und wird von der Autorengruppe einstimmig empfohlen.
  • Es besteht Konsens, dass bei Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen mit oder ohne Immuntherapien eine Drittimpfung erfolgen sollte, wenn die letzte SARS-CoV-2 Impfung (oder Infektion) mehr als 3 Monate zurückliegt (siehe RKI Empfehlung). Insbesondere bei Immuntherapien, die zu einer relevanten Einschränkung der Impfantwort führen, kann die Drittimpfung jedoch bereits ab der 5. Wochen nach der zweiten Impfung zur Optimierung der primären Impfserie erfolgen.
  • Das RKI empfiehlt daher bei stark wirksamer Immuntherapie eine Untersuchung der Impftiter vor (mindestens 4 Wochen nach letzter Impfung) und 4 Wochen nach der Drittimpfung. Sollte 4 Wochen nach der Boosterimpfung entweder kein oder ein sehr niedriger und nicht im Verlauf steigender Antikörper-Titer bestehen, ist laut RKI die Wahrscheinlichkeit einer verminderten Schutzwirkung der Impfung erhöht. Die Autorengruppe empfiehlt, dass sich Patientinnen und Patienten über dieses Vorgehen unter Berücksichtigung der individuellen Erkrankung im behandelnden Zentrum beraten lassen.
  • Bei positivem SARS-CoV-2-Test empfiehlt die Autorengruppe Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen unter Immuntherapie und insbesondere bei fehlendem Impftiter trotz Drittimpfung im Falle einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 eine unmittelbare Kontaktaufnahme mit ihrem behandelnden Zentrum oder einem infektiologischen Zentrum, um die gegenwärtig verfügbare und sinnvollste Post-Infektionsprophylaxe abzuwägen.

[1] Gemeinsame Stellungnahme des Deutschen Netzwerkes zur Erforschung Autoimmuner Enzephalitiden (GENERATE e.V.), der Neuromyelitis optica Studiengruppe (NEMOS e.V.) und der klinischen Kommissionen Neuroimmunologie sowie Motoneuron- und neuromuskuläre Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 21. Januar 2022.

https://dgn.org/wp-content/uploads/2022/01/Impfempfehlung_GENERATE_21-1-22.pdf

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