Eine Myopathie im Kontext von COVID-19 muss nicht direkt virusvermittelt sein

©iStock/gilaxia

Ein aktuell im „The New England Journal of Medicine“ publizierter Fallbericht beschreibt einen 38-jährigen COVID-19-Patienten mit Myopathie, bei dem eine Muskelbiopsie durchgeführt wurde. Der Befund zeigte sowohl Anzeichen einer erregervermittelten Myopathie als auch einer Typ-1-Interferonopathie.

Myalgien treten im Kontext von COVID-19 bei über 30% der Patienten auf und sind somit eine häufige Begleiterscheinung. Sie gehen häufig mit erhöhten Kreatininkinasespiegeln einher. Ursachen können die virale Infektion des Muskels, toxische Effekte von Zytokinen oder Nebenwirkungen verabreichter Medikamente sein. Bislang gibt es kaum Fälle von COVID-19-Patientinnnen und -Patienten, bei denen eine Muskelbiopsie durchgeführt wurde.

Ein aktuell im „The New England Journal of Medicine“ publizierter Fallbericht beschreibt die Kasuistik eines 38-jährigen Patienten ohne Vorerkrankungen, der sich mit Myalgien und Fieber vorstellte. Er litt darüber hinaus unter einer generalisierten Muskelschwäche, die proximal stärker ausgeprägt war als distal, und er war nicht mehr in der Lage zu gehen. Er hatte keine Erytheme, Gottron- oder Keining-Zeichen. Diese sind typisch für eine Dermatomyositis, die iatrogen ausgelöst sein kann. Der Patient war mit Remdesivir und Prednison behandelt worden.

Die Untersuchung des Bioptats ergab eine erhöhte Konzentration von „Myxovirus resistance“ (Mx)-Protein A auf den Muskelfasern und Kapillaren, eine solche Induktion der Proteinexpression wird häufig durch Virusinfektionen verursacht. Darüber hinaus wurde in der Gewebeprobe auch eine erhöhte Expression von Typ-I-Interferonen nachgewiesen, was nach Ansicht der Autoren für eine Typ-1-Interferonopathie sprechen könnte, die durch Autoinflammation und Autoimmunität gekennzeichnet ist. Allerdings sind bei der Typ-1-Interferonopathie neben neurologischen Symptomen auch kutane Symptome häufig, die in diesem Fall nicht vorlagen.

[1] Manzano GS, Woods JK, Amato AA. Covid-19–Associated Myopathy Caused by Type I Interferonopathy. The New England Journal of Medicine. Published: 20 November 2020.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2031085