Eine Frage des Timings? SARS-CoV-2-Impfung bei Patientinnen/Patienten mit neuroimmunologischen Krankheiten

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Neuroimmunologische Erkrankungen und ihre Therapien beeinflussen das Immunsystem, was das Infektionsrisiko sowie das Risiko für schwere Verläufe erhöht. Impfungen haben daher einen hohen Stellenwert im Management dieser Patientinnen und Patienten. Auf der anderen Seite sprechen die Betroffenen je nach Medikation unzureichend auf die Impfung an. Eine Review [1] von Forscherinnen und Forschern der Universität Rostock hebt die Bedeutung des richtigen Timings der Impfung gegen SARS-CoV-2 hervor.

Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose sprechen oft nur unzureichend auf die Impfung gegen SARS-CoV-2 an. Dennoch wird die Impfung empfohlen, um die Betroffenen vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Auch wird angeraten, für das Monitoring der Impfantwort die Antikörpertiter zu bestimmen.

Dabei ist oft der Zeitpunkt der Vakzinierung ausschlaggebend für den Impferfolg. Sofern dies möglich ist, sollten die Impfungen vor Beginn einer immunmodifizierenden Therapie verabreicht werden. Je nach Vakzin empfiehlt das Review unterschiedliche Zeitintervalle zwischen Impfung und Therapieinitiierung – bei Ocrelizumab mindestens 6 Wochen, bei Rituximab mindestens 4, bei Cyclophosphamid oder auch Natalizumab 2-4 Wochen. Der Einsatz von Glukokortikoiden kann hingegen unmittelbar erfolgen. Das Review bietet eine tabellarische Übersicht. Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren könne das richtige Timing zu einer verbesserten Wirksamkeit und Sicherheit beitragen. In Phasen von Rückfällen oder einer Erkrankungsverschlechterung sollte zunächst von einer Impfung abgesehen werden.

Allgemein gelten Totimpfstoffe bei neuroimmunologischen Erkrankungen als sicher, während Lebendimpfstoffe während einer Immuntherapie kontraindiziert sind. Die in Deutschland zugelassenen Vakzinen gegen SARS-CoV-2, auch die mRNA-Vakzine, können bei Menschen mit neuroimmunologischen Erkrankungen grundsätzlich angewendet werden und sind nicht mit höheren Risiken assoziiert.

Das Review gibt außerdem einen genauen Überblick zu immunologischen Response nach Vakzinierung gegen SARS-CoV-2, je nach verabreichter Immuntherapie. Die Autorinnen und Autoren beleuchten die Immunantwort je nach Medikament und geben Hinweise, was bei Impfung unter der jeweiligen Therapie zu beachten ist.

[1] Winkelmann A, Loebermann M, Barnett M et al. Vaccination and immunotherapies in neuroimmunological diseases. Nat Rev Neurol 2022. Published: 10. April.

https://www.nature.com/articles/s41582-022-00646-5

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