„Die vierte Welle“ – wie können neuropsychiatrische COVID-19-Folgen bewältigt werden?

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Nach den derzeit verfügbaren Erfahrungen muss davon ausgegangen werden, dass ein erheblicher Teil der Patienten nach überstandener Akutphase mit relevanten kognitiven und affektiven Problemen zu kämpfen hat. Experten/Expertinnen bezeichnen das als „vierte Welle“ der Pandemie. Deshalb sei es wichtig, gezielte Interventionen so zu implementieren, dass ein möglichst großer Anteil der Betroffenen geeignete Hilfe erfährt. Der Neurologie kommt hier eine bedeutsame Rolle zu.

Noch ist unklar, welche mittel- und langfristigen Probleme die SARS-CoV-2-Pandemie nach sich zieht. In einem Review in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift [1] thematisieren die Autoren neuropsychiatrische COVID-19-Folgen, die auch als „Post-/Long-COVID“ bezeichnet werden. Denn oft überdauert ein frontales Dysexekutiv-Syndrom, das einerseits mit affektiven Symptomen, andererseits mit Störungen von Handlungsplanung und Gedächtnis assoziiert sein kann. Kompliziert wird die zuverlässige Einschätzung neuropsychologischer Defizite durch die Unterlagerung von Antriebsstörungen und leichter Ermüdbarkeit. Die Fatigue wird als Summe der Effekte von psychischem und physischem Leistungsverlust infolge kognitiver, anderer mentaler und somatischer Faktoreneingestuft.

Was sind die Schlussfolgerungen, die Autoren ziehen?

Größe und Verlauf dieser „vierten Welle“ der Pandemie sind noch nicht zuverlässig hochzurechnen. Nach den derzeit verfügbaren Erfahrungen muss jedoch davon ausgegangen werden, dass ein erheblicher Teil der Patienten nach überstandener Akutphase mit relevanten kognitiven und affektiven Problemen zu kämpfen hat. Nun sei es wichtig, Interventionen zu überprüfen und in einem weiterhin gestressten Gesundheitssystem so zu implementieren, dass ein möglichst großer Anteil der Betroffenen geeignete Hilfe erfährt. Da der konventionelle Psychotherapiemarkt ohnehin überlastet ist und diese Patientinnen und Patienten kaum auffangen können wird, sollten Neurologen/Neurologen gemeinsam mit Hausärztinnen/-ärzte und Vertretern anderer Fachdisziplinen nun an neuen, spezialisierten Versorgungskonzepten arbeiten.

[1] Berlit P, Frölich L, Förstl H et al. Die „vierte Welle“? COVID-19 und konsekutive kognitive Störungen. Dtsch Med Wochenschr 2021; 146: 671–676

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1468-1529

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