Die Multiple Sklerose ist per se nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Verläufe verbunden

Eine in „Neurology Research and Practice“ (NRP) publizierte Studie untersuchte das Risiko von MS-Patientinnen und -Patienten für schwere COVID-19-Verläufe. Erstaunlicherweise wiesen die Betroffenen keine höhere Rate an Intensivpflichtigkeit, Beatmungspflichtigkeit und Krankenhausmortalität als Menschen ohne MS auf. Die Autorinnen und Autoren weisen aber darauf hin, dass es Unterschiede innerhalb der MS-Population geben könnte – zum Status der Immunsuppression und dem Behinderungsgrad lagen keine Daten vor.

Die retrospektive Querschnittsstudie wertete die Daten von 157.524 COVID-19-Patientinnen und -Patienten aus, die 2020 in Deutschland stationär behandelt wurden. Die SARS-CoV-2-Infektion war bei allen mittels PCR-Test nachgewiesen worden. Bei 551 der Betroffenen lag eine MS-Diagnose vor. Primäre Endpunkte der Auswertung waren Intensivpflichtigkeit, Beatmungspflichtigkeit und Krankenhausmortalität.

Im Ergebnis zeigte sich, dass MS-Patientinnen und -Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten, im Vergleich zu den Betroffenen ohne MS eher eine geringere Rate an Intensivpflichtigkeit aufwiesen. 17,1% mussten auf eine Intensivstation verlegt werden (vs. 22,7% derjenigen ohne MS, p>0,001). Auch der Anteil derer, die beatmet werden mussten, war in der Gruppe der MS-Kranken geringer (9,8% vs.14,5%, p>0,001), ebenso wie der Anteil derer, die im Krankenhaus verstarben (11,1% vs. 19,3%, p<0,001). Das Signifikanzniveau blieb auch in Subgruppenanalysen stabil, in denen nach Geschlecht und MS-Form stratifiziert wurde. Nur bei der Stratifizierung nach Alter gab es im Hinblick auf die Krankenhaussterblichkeit keinen signifikanten Unterschied zwischen den COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit MS und jenen ohne vorbestehender MS (p>0,05 in allen Altersgruppen).

Das Autorenteam schlussfolgert, dass MS-Patientinnen und -Patienten per se kein erhöhtes COVID-19-Risiko haben, es aber dennoch Unterschiede innerhalb der MS-Population geben könnte, die es weiter zu untersuchen gilt. Das DRG-System erfasst keine Informationen dazu, ob die Betroffenen immunsuppressiv behandelt wurden und welcher Behinderungsgrad vorliegt. Beide Faktoren könnten das Sterblichkeitsrisiko beeinflussen. Zukünftige Studien sollten darüber hinaus auch Häufigkeit und Ausprägung eines Long-COVID-Syndroms bei Betroffenen mit MS untersuchen.

[1] Richter, D., Faissner, S., Bartig, D. et al. Multiple sclerosis is not associated with an increased risk for severe COVID-19: a nationwide retrospective cross-sectional study from Germany. Neurol. Res. Pract. 3, 42 (2021).

https://neurolrespract.biomedcentral.com/articles/10.1186/s42466-021-00143-y

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