Die Immuntherapie bestimmt, wie Rheumapatientinnen und -patienten auf eine Booster-Impfung ansprechen

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Immunsupprimierte Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bilden in der Regel mehr Antikörper gegen SARS-CoV-2, wenn sie eine dritte Impfdosis erhalten. Allerdings besteht unter Mycophenolat im Vergleich zu anderen Therapien immer noch ein doppelt so hohes Risiko, schlecht anzusprechen. Unter Rituximab ist dieses Risiko sogar 10-fach erhöht. Das hat eine Studie mit 511 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ergeben [1].

Zu wissen, welche Faktoren bei Rheumapatientinnen und -patienten zu einem schlechten Ansprechen auch auf eine Booster-Impfung beitragen, ist wichtig, um diesen Menschen gegebenenfalls gezielt weitere Impfungen oder eine prophylaktische Behandlung anbieten zu können. Über eine Kampagne in den sozialen Medien rekrutierten Medizinerinnen und Mediziner von der Johns Hopkins University in Baltimore deshalb insgesamt 511 Erwachsene mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen ohne bekannte vorangegangene COVID-19-Erkrankung [1], die dreimal gegen COVID-19 geimpft worden waren – zweimal mit einem mRNA-Impfstoff und dann entweder mit einer weiteren mRNA-Impfung oder einer Adenovirus-Vektor-Vakzine. Zur seriellen Antikörper-Testung wurde ein anti-SARS-CoV-2-Enzym-Immunoassay verwendet, der den Gesamt-Antikörper-Titer gegen die Rezeptorbindende Domäne (RBD) erfasst. Dies gilt als anerkanntes Korrelat neutralisierender Antikörper. Als schlechtes Ansprechen wurden Antikörper-Titer unter 500 U/ml definiert.

92% der Studienpopulation waren Frauen, das mediane Alter lag bei 50 Jahren. 53% hatten initial zweimal BNT162b2 und 47% mRNA-1273 erhalten. Im Median 159 Tage später betrug der mediane Titer 238 U/ml, 11% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten keine Antikörperantwort. Als dritte Dosis erhielten 52% BNT162b2, 47% mRNA-1273 und 1% Ad.26.COV2.S. Der Booster-Impfstoff entsprach bei 95% der zuvor verabreichten Vakzine. Im Median 30 Tage nach dem Booster wurden die Antikörpertiter erneut getestet. Mit insgesamt 92% zeigte die Mehrheit ein Ansprechen. Wie viele Patienten Titer über 2500 U/ml erzielten, war dabei unabhängig davon, ob der Booster der zuvor verabreichten Vakzine entsprach oder nicht.

Von den Betroffenen, die zuvor keine Antikörper entwickelt hatten, wiesen nun immerhin 40% eine humorale Immunantwort auf, 60% blieben weiter negativ. Von den zuvor Antikörper-Negativen, die auf den Booster ansprachen, standen 70% unter einer Therapie mit Rituximab oder Mycophenolatmofetil. Das humorale Impfansprechen in diesen Subgruppen war reduziert: Sie hatten das zehnfache beziehungsweise doppelte Risiko, schlecht auf den Booster anzusprechen.

46% der Teilnehmenden hatten ihre Therapie anlässlich der Impfung pausiert. In 62% handelte es sich dabei um Methotrexat, im Median wurde eine Dosis ausgelassen.

Rheumaschübe mit Therapiebedarf erlitten nur 7% von 386 Teilnehmerinnen und Teilnehmern innerhalb eines Monats nach der Booster-Impfung.

[1] Connolly CM, Chiang TP, Teles M et al. Factors associated with poor antibody response to third-dose SARS-CoV-2 vaccination in patients with rheumatic and musculoskeletal diseases. Lancet Rheumatol. 2022 Mar 29.

https://www.thelancet.com/journals/lanrhe/article/PIIS2665-9913(22)00065-0/fulltext

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