Die ersten drei Fallberichte einer Myasthenia gravis im Kontext von COVID-19

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Wiederholt beschrieben sind neuroimmunologische Manifestationen wie Enzephalopathien, Enzephalomyelitiden und neuromuskuläre Folgeerkrankungen wie das Guillain-Barre-Syndrom bei COVID-19-Patienten. Nun berichtet eine aktuelle Arbeit über 3 Fälle einer Myasthenia gravis im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion.

Die Myasthenia gravis ist eine durch Autoantikörper verursachte neuromuskuläre Übertragungsstörung. Als Maximalausprägung einer Myasthenia gravis ist die myasthene Krise meist lebensbedrohlich, sie geht mit einer schweren Dysphagie und Ateminsuffizienz einher.

Die vorliegende Arbeit beschreibt drei Fälle (zwei Männer im Alter von 64 und 68 Jahren und eine Frau im Alter von 71 Jahren). Alle drei hatten Fieber (38,6°C - 39 °C), alle drei entwickelten innerhalb von 5 - 7 Tagen nach Einsetzen des Fiebers Myasthenia gravis-typische Symptome. Bei den Männern traten Muskelschwäche und Diplopie auf (bei einem der beiden Patienten auch Dysphagie), bei der weiblichen Patientin kam es zu Ptosis, Diplopie und Hypophonie. Bei allen drei Patienten waren die Acetylcholinesterase-Rezeptor- (AChR)-Antikörper erhöht. In der Bildgebung wurde ein Thymom ausgeschlossen.

Die Autoren führen mehrere Hypothesen zur Pathogenese an. Zum einen könnten Antikörper gegen SARS-CoV-2 mit AChR-Untereinheiten kreuzreagieren, denn das Virus hat Epitope, die neuromuskulären Verbindungen ähneln. Ebenso könne eine SARS-CoV-2-Infektion die immunologische Eigentoleranz modifizieren.

Domenico A. Restivo, Diego Centonze, Alessandro Alesina, Rosario Marchese-Ragona. Myasthenia Gravis Associated With SARS-CoV-2 Infection. Annals of Internal Medicine. 10 Aug 2020.

https://www.acpjournals.org/doi/full/10.7326/L20-0845