Diagnose- und Therapie-Algorithmus für neurologische Long-COVID-Symptome

© iStock/filadendron

Viele Reviews und Metaanalysen haben die Häufigkeit neurologischer Symptome bei Long-COVID beschrieben. Im letzten Newsletter fassten wir den aktuellen Wissensstand zusammen. Eine aktuelle Arbeit [1] schlägt nun einen Diagnose- und Therapie-Algorithmus vor und empfiehlt eine symptomorientierte Behandlung, da Evidenzen für eine medikamentöse Therapie bisher fehlen.

Eine „narratives Review“ [1] fasst die neurologischen Symptome von Long-COVID zusammen, eine Folgeerkrankung mit vielfältigen klinischen Manifestationen, die bei über einem Drittel der Patientinnen und Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankt waren, beobachtet wurde. Die häufigsten neurologischen Symptome umfassen Fatigue, Bewusstseinseintrübungen („brain fog“), Kopfschmerzen, kognitive Dysfunktionen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Anosmie, Dysgeusie, Myalgien, sensomotorische Defizite und Dysautonomien. Als Ursache werden unter anderem neuroinflammatorische Prozesse, metabolische Störungen und oxidativer Stress diskutiert.

Angesichts der vielfältigen Manifestationen und Schwierigkeit der Diagnose, auch im Hinblick auf vorbestehende neurologische Erkrankungen, die auch die Suszeptibilität für Long-COVID erhöhen, schlagen die Autorinnen und Autoren des Reviews einen Diagnose- und Therapie-Algorithmus vor.

Nach Ausschluss neurologischer Vorerkrankungen und Komorbiditäten sollte das Management der neurologischen Long-COVID-Symptome pragmatisch und symptomorientiert erfolgen, da es bisher wenig Evidenz für medikamentöse Therapien gibt.

Das Autorenteam verweist auf eine randomisierte Multicenterstudie, der zufolge ein systemischer Enzym-Komplex (ProbioSEB CSC3TM) wirksam bei Fatigue und körperlicher Erschöpfung sein könnte. Allerdings habe die Studie methodische Mängel, weshalb es weiterer Erhebungen bedürfe, bevor die Therapie empfohlen werden könnte. Wie die Autorinnen und Autoren weiter ausführen, gibt es auch zu anderen Therapieansätzen, wie z.B. der Supplementierung von Vitaminen (B2, E und C) oder der Gabe von Antioxidanzien inkl. dem Coenzym Q10, α-Liponsäure, L-Carnitin oder L-Kreatin keine aussagekräftigen Studien.

[1] Stefanou M-I, Palaiodimou L, Bakola E et al. Neurological manifestations of long-COVID syndrome: a narrative review. Therapeutic Advances in Chronic Disease. January 2022.

https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/20406223221076890

Nach oben springen