Deutlicher Rückgang der Schlaganfall-Krankenhausfälle während der ersten Pandemiephase in Deutschland

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Eine aktuell in „Stoke“ publizierte Arbeit [1] wertete die bundesweiten Daten zur stationären Behandlung von Schlaganfällen während der ersten COVID-19-Welle aus. Es zeigt sich ein deutlicher Rückgang von Krankenhausaufnahmen wegen Hirninfarkt (−17.4%), TIA (−22.9%) und intrazerebralen Blutungen (−15.8%). Aber auch in der Pandemiesituation war die Qualität der Akuttherapie mittels Lyse und Thrombektomie in Deutschland unverändert hoch.

Bereits in der frühen Phase der Pandemie zeigten sich Neurologinnen und Neurologen besorgt über einen spürbaren Rückgang an Patientinnen und Patienten, die sich wegen Schlaganfallsymptomen in einer Notaufnahme vorstellten, und richteten Appelle an die Bevölkerung, Schlaganfallsymptome nicht zu ignorieren (wir berichteten).

Dass der damalige Eindruck der „leeren“ Stroke-Units nicht falsch war, bestätigt nun die bundesweite Erhebung zur Schlaganfallversorgung [1] während der ersten Pandemiephase von 16. März bis 15. Mai 2020. Die Daten aus allen 1.463 Krankenhäusern in Deutschland, die in dieser Zeit Schlaganfallpatienten behandelt haben, wurden mit denen des gleichen Zeitraums im Vorjahr und mit denen des Prä-Pandemie-Zeitraums 16. Januar bis 15. März 2020 verglichen. In der Pandemiephase wurden 31.165 Patientinnen und Patienten mit akuten ischämischen Schlaganfällen aufgenommen, im Vergleich zur Prä-Pandemiephase war das ein Rückgang von 17,4%. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr betrug die Differenz sogar 18,5%. Bei Patientinnen und Patienten mit TIA betrug der Rückgang 22,9%, respektive 26,1%. Im Hinblick auf Patienten mit Hirnblutungen war zwischen der Prä-Pandemiephase und der Pandemiephase ein Rückgang von 15,8% zu verzeichnen.

Die Studie zeigte aber auch, dass während der Pandemiephase die Akutversorgung von Hirninfarkten in unverändert hoher Qualität stattfand. Die Rekanalisationsrate blieb während der Pandemie stabil. Die Lyserate war mit 16,4% in etwa gleich wie im Vorjahr (16,6%). Die Rate der mechanischen Thrombektomien (MTE) lag mit 8,1% sogar höher als in der Prä-Pandemiephase (7,7%).

Allerdings muss auch konstatiert werden, dass die Krankenhaussterblichkeit von Patienten mit ischämischen Schlaganfällen im Pandemiezeitraum signifikant erhöht war (8,1% vs. 7,6%). Die Autoren führen die erhöhte Sterblichkeitsrate auf die Tatsache zurück, dass während der Pandemie verhältnismäßig mehr Patienten mit schweren Symptomen und somit schlechterer Prognose eingeliefert wurden, wofür auch die höhere MTE-Rate spricht.

[1] Richter D et al. Analysis of Nationwide Stroke Patient Care in Times of COVID-19 Pandemic in Germany. Stoke. December 24, 2020.

https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STROKEAHA.120.033160