Delir ist bei älteren Patienten mit COVID-19 häufig und kann auch bei asymptomatischen Verläufen auftreten

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Eine in JAMA publizierte Studie untersuchte die Häufigkeit eines Delirs bei älteren Patientinnen und Patienten mit COVID-19. Das Erstaunliche: Es war mit 28% ein häufiges Symptom, das bei einem hohen Anteil der Patientinnen und Patienten auch isoliert, also ohne andere, typische COVID-19-Symptome auftrat. Wenn sich ältere Menschen mit einem akuten Verwirrtheitszustand in der Notaufnahme oder Praxis vorstellen, sollte also immer auch an COVID-19 als mögliche Grunderkrankung gedacht werden.

Insgesamt wurden 817 ältere Patientinnen und Patienten in diese Multicenter-Kohortenstudie eingeschlossen. Das Durchschnittsalter betrug 77,7 Jahre, 47% waren männlich, 62% weißer Hautfarbe. Von den 817 Patientinnen und Patienten hatten 226 (28%) ein Delir entwickelt, das bei Erstvorstellung diagnostiziert wurde. Damit war das Delir das sechsthäufigste Symptom einer COVID-19-Erkrankung in dieser Studie. Bei 37 Delirpatientinnen und -patienten war das Delir primäres Symptom von COVID-19 und 84 der 226 Betroffenen wiesen in der Akutsituation keine typischen COVID-19-Symptome wie Fieber, Husten oder Kurzatmigkeit auf. Risikofaktoren für ein Delir waren höheres Alter (über 75 Jahre), betreutes Wohnen, vorhergehende Therapie mit psychoaktive Substanzen, Beeinträchtigungen des Hörens oder Sehens, ein bereits durchgemachter Schlaganfall oder eine vorbestehende Parkinson-Krankheit. Das Auftreten eines Delirs war in dieser Studie mit Intensivpflichtigkeit und Tod assoziiert.

Kennedy M, Helfand BKI, Gou RY et al. Delirium in Older Patients With COVID-19 Presenting to the Emergency Department. Published: November 19, 2020. JAMA Netw Open. 2020;3(11):e2029540.

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2773106