Delir-Charakterisierung bei intensivpflichtiger COVID-19-Erkrankung

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Eine Studie aus den USA beschreibt das Auftreten eines Delirs bei über 70% von 148 an COVID-19 Erkrankten auf Intensivstationen. Der Verlauf war oft prolongiert (median 10 Tage) und mit einem längeren Klinik- und Intensivaufenthalt assoziiert. Es wurden multiple Delir-assoziierte Faktoren identifiziert wie Inflammation, Sedierung, aber auch mangelhafte Delir-Prävention. Mehr als ein Drittel der Delir-Patientinnen und -Patienten musste in eine Pflegeeinrichtung entlassen werden. Zwei Monate nach der Entlassung waren persistierende neuropsychologische Störungen häufig.

Die Arbeit hatte zum Ziel, bei intensivpflichtigen an COVID-19 Erkrankten anhand retrospektiver Daten und einer prospektiven Beobachtungsstudie den klinischen Verlauf eines begleitenden Delirs zu charakterisieren – einschließlich des neurologisch-psychiatrischen Outcomes nach der Entlassung. Analysiert wurden 148 COVID-19-Patientinnen und -Patienten einer Klinik in Michigan, USA. Primäres Kriterium war die Entwicklung eines Delirs; darüber hinaus wurden die Dauer des Delirs, die Behandlungszeit auf der Intensivstation und des Gesamtaufenthalts erfasst sowie bildgebende Befunde, Entzündungsparameter und die medikamentöse Therapie mit Antipsychotika bewertet. Ein bis zwei Monate nach der Entlassung erfolgte eine abschließende Telefonbefragung zur Messung neuropsychologischer Funktionen mittels FAM-CAM („Family Confusion Assessment / Cognitive Abilities“), SBT („Short Blessed Test“), PROMIS 4a („Patient-Reported Outcomes Measurement Information System”) und PHQ-9 („Patient Health Questionnaire-9”).

Insgesamt wurde bei 108/148 der Untersuchten (73%) ein Delir diagnostiziert – mit einer medianen Dauer von zehn Tagen (IQR 4-17). Betroffen waren mehr Frauen (70%); die Hälfte der Delirkranken (54/108) war afroamerikanischer Herkunft. Delir-assoziierte Faktoren waren Inflammation, Sedierung, Hypoxie/Ischämie und Protokollabweichungen bei der Delir-Prävention. 41 der 108 Betroffenen (38%) wurden in eine Pflegeeinrichtung entlassen. Bei 24% der Betroffenen wurde auch nach der Entlassung vom betreuenden Personal noch eine Delir-Symptomatik beschrieben. 23% hatten Anzeichen kognitiver Störungen oder einer Demenz, und 12% wiesen in den zwei Monaten nach der Entlassung depressive Symptome auf.

Ragheb J, McKinney A, Zierau M et al. Delirium and neuropsychological outcomes in critically Ill patients with COVID-19: a cohort study. BMJ Open 2021 Sep 17;11(9):e050045.

https://bmjopen.bmj.com/content/11/9/e050045.long

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