Dänische Registerstudie offenbart nur geringes Myokarditis-Risiko nach Impfung

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Nach Auswertung nationaler Registerdaten gehen dänische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 im Hinblick auf das Myokarditis-Risiko insgesamt als sicher anzusehen sind. Zwar lag die Myokarditis-Rate innerhalb von 28 Tagen nach Impfung mit mRNA-1273 (Moderna) in der Gruppe der 12-39-Jährigen absolut bei 5,7 auf 100.000 Geimpfte. Nach Impfung mit BNT162b.2 (Pfizer/BioNTech) waren es in dieser jungen Altersgruppe aber nur 1,6 auf 100.000.

Im Rahmen einer prospektiven Fall-Kontroll-Kohortenstudie vom 1.10.2020 bis 5.10.2021 werteten Forscherinnen und Forscher aus Dänemark Registerdaten von fast fünf Millionen Individuen ab zwölf Jahren aus [1]. Im Beobachtungszeitraum entwickelten unabhängig vom SARS-CoV-2-Impfstatus insgesamt 269 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Myokarditis oder Perikarditis. Definiert wurde dieser primäre Studienendpunkt als in der Klinik gestellte Diagnose, verbunden mit einer Erhöhung des Troponin-Wertes und einem Krankenhausaufenthalt von mindestens 24 Stunden.

40% der Myokarditis-Patientinnen und -Patienten waren 12-39 Jahre alt, 73% waren männlich. Von 3.482.295 mit BNT162b.2 Geimpften entwickelten 48 innerhalb von 28 Tagen nach Impfung eine Myokarditis. Im Vergleich zu Nicht-Geimpften lag das unter anderem nach Geschlecht und Begleiterkrankungen adjustierte Risiko damit bei 1,34, und die absolute Myokarditis-Rate lag bei 1,4 auf 100.000 Geimpfte. Signifikant erhöht war das Risiko nach Impfung mit BNT162b.2 – entgegen Daten aus früheren Untersuchungen etwa aus Israel oder den USA – mit 3,73 nur bei Frauen, nicht aber bei Männern. Die absolute Myokarditis-Rate lag bei Frauen bei 1,3, und bei Männern bei 1,5 pro 100.000 Geimpften in den ersten 28 Tagen nach Vakzinierung. Bei den 12-39-Jährigen waren es 1,6 auf 100.000.

Nach Impfung mit mRNA-1273 entwickelten 21 von 498.814 Individuen innerhalb von 28 Tagen eine Myokarditis oder Perikarditis. Die Raten war drei- bis viermal höher als nach Impfung mit BNT162b.2, aber insgesamt ebenfalls niedrig. Das adjustierte Risiko betrug gegenüber Nicht-Geimpften 3,92, und die Myokarditis-Rate pro 100.000 mit mRNA-1273 Geimpften lag bei 4,2. Bei Frauen lag das Risiko gegenüber Nicht-Geimpften bei 6,33, bei Männern bei 3,22 und in der jüngsten Altersgruppe von 12-39 Jahren bei 5,24.

Insgesamt war das beobachtete Myokarditis-Risiko gering. Zudem war der klinische Verlauf überwiegend mild und unterschied sich nicht von dem bei nicht gegen SARS-CoV-2 Geimpften. Es wurden weder stationäre Wiederaufnahmen noch Herzinsuffizienzen oder Todesfälle bei denjenigen beobachtet, die innerhalb von 28 Tagen nach mRNA-1273-Impfung eine Myo- oder Perikarditis bekamen.

Die dänischen bevölkerungsbasierten Daten zu BNT162b.2 belegen ein zuvor angenommenes mindestens dreifach erhöhtes Risiko bei jüngeren Impflingen nicht. Bei den 12-17-Jährigen lag die Myokarditis-Rate sogar nur bei 1,0 auf 100.000.

[1] Husby A, Hansen JV, Fosbøl E et al. SARS-CoV-2 vaccination and myocarditis or myopericarditis: population based cohort study. BMJ. 2021 Dec 16; 375:e068665.

https://www.bmj.com/content/375/bmj-2021-068665

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